Das Kosovo-Dilemma

Schwache Staaten und Neue Kriege als Herausforderung des 21. Jahrhunderts
Cover: Das Kosovo-Dilemma
Westfälisches Dampfboot Verlag, Münster 2002
ISBN 9783896915269
Kartoniert, 222 Seiten, 20,50 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Ulrich Albrecht, Michael Kalmann, Sabine Riedel und Paul Schaefer. Der Band versammelt Beiträge von ExpertInnen verschiedener Fachgebiete. In gründlichen Analysen untersuchen sie die aktuelle Situation im Kosovo, in Serbien und in der Republik Makedonien. Dabei kommen sozioökonomische Hintergründe ebenso zur Sprache wie die Analyse ethnischer Feindbilder. Ausgehend von dieser Regionalexpertise werden systematische Aspekte behandelt, wie das Wesen neuer Kriege, die Zielgenauigkeit von Wirtschaftssanktionen, das Instrument der "humanitären Intervention" und die manipulativen Wirkungen veröffentlichter Meinung. Im letzten Teil zeigen Autorinnen und Autoren Perspektiven und Alternativen auf, wie man das "Kosovo-Dilemma" im Sinne von Frieden, Entwicklung und Stabilität bearbeiten kann.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.02.2003

Knapp vier Jahre nach der westlichen Militärintervention in den Kosovo kommen deprimierende Nachrichten aus der Krisenprovinz, berichtet Rezensent Boris Kanzleiter: Über 200.000 Menschen, meist Serben und Roma, wurden in dieser Zeit von albanischen Nationalisten Vertrieben. Die wirtschaftlichen und politischen Situation ist verheerend, Korruption und mafiöse Strukturen sind an der Tagesordnung. Der von Ulrich Albrecht, Michael Kalman und anderen herausgegebene Sammelband über das "Kosovo-Dilemma" nimmt diese Misere zum Anlass für weitergehende Untersuchungen, hält Kanzleiter fest. Er hebt hervor, dass die Autoren des Bandes ausgehend vom Kosovo auf globale Tendenzen deuten. Wer das Kosovo beschreibe, erklärt Kanzleiter, lande schnell bei ähnlichen Problemen an anderen Orten der Welt. Neben dem Beitrag des Politologen Michael Kalman, der die Entstehung von so genannten schwachen Staaten als eine entscheidende Ursache für bewaffneter Konflikte benennt, hebt der Rezensent den Beitrag von Astrid Nissen und Katrin Radtke hervor, der das Funktionsprinzip des Warlords untersucht. Die Autorinnen kommen zu dem Schluss, dass der "ethnischer Konflikt" oft nur vorgeschoben sei, um den profanen Kampf um Macht und Geld zu verschleiern. Den kontroversesten Beitrag des Bandes erblickt Kanzleiter in der Analyse Sabine Riedels, die die Minderheitenpolitik der Europäischen Union für die Ausbreitung ethnischer Konflikte in Südosteuropa mit verantwortlich macht. Insgesamt findet der Rezensent die "15 gut lesbaren Beiträge" vor allem wegen zweier Eigenschaften interessant: Zum einen widersetzten sie sich eingeschliffenen Erklärungsmustern, zum anderen verzichteten sie auf moralisierende Kategorien, die aus den politischen Diskursen der Kriegslegitimation weit in den Wissenschaftsbetrieb eingedrungen seien.

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