Dieses Buch beschäftigt sich aus vergleichender Perspektive mit einem besonders irritierenden Phänomen der jüngeren Integrationsgeschichte: Referenden in und über Europa. Unter anderen behandelt der Band die folgenden Fragen: Was spricht für und was gegen direktdemokratische Entscheidungen im Integrationsprozess? Lassen sich europapolitische Entscheidungen überhaupt zu einem demokratischen Souverän zurücktragen? Und wenn ja, zu welchem? Wie unterscheiden sich europapolitische Volksabstimmungen hinsichtlich Debatten und Voten? Mit dem jüngsten britischen Referendum ist ein neuer Typus europapolitischer Volksabstimmungen in Erscheinung getreten: das gegenstandsunabhängig veranlasste Misstrauensreferendum. Wird das britische Beispiel Schule machen? Müssen wir uns vermehrt auf solche offensiven Abstimmungen einstellen? Was würde dies für die Zukunft der EU bedeuten? Droht sie daran zu scheitern?
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 28.09.2017
Rezensent Eckhard Jesse lässt sich von Wolf J. Schünemann die Schwierigkeiten von Referenden im Kontext der europäischen Einigung darlegen. Wenn der Autor Legitimationsdefizite der EU sowie Argumente gegen die direkte Demokratie erörtert, vermisst der Rezensent so manchen Einwand und verliert den roten Faden, da der Autor seine Themen nicht verbindet, wie er kritisiert. Auch wenn Jesse die einzelnen Kapitel durch sachliche Argumentation, Methodenbewusstsein und Forschungsnähe überzeugen, etwas mehr Entschiedenheit bei der Frage nach Sinn und Unsinn von EU-Referenden hätte er sich doch gewünscht.
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