Angesichts der Konfrontationspolitik, welche die UdSSR bis dahin verfolgt hatte, konnte sich im März 1952 kaum jemand vorstellen, dass Stalin mit dem Vorschlag des Friedensvertrags mit einem neutralen Gesamtdeutschland die Bereitschaft zur Wiedervereinigung auf der Basis freier Wahlen verbunden habe. Doch je weiter die Zeit danach voranschritt, desto mehr verbreitete sich vielfach die Ansicht, mit der Ablehnung sei eine Chance versäumt worden. Die daraus erwachsende Kontroverse der Historiker, ob es sich um ein 'ernsthaftes Angebot' gehandelt habe oder nicht, kam nicht zum Abschluss, als Dokumente auch aus Moskauer Archiven - in freilich zunächst sehr begrenztem Umfang - zugänglich wurden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.02.2016
Michael Mayer weiß auch nicht, wozu sich Gerhard Wettig noch einmal der Diskussion um die Frage Disziplinierungsthese oder Propagandathese betreffend die Stalin-Note annimmt. Die historiografische Kontroverse scheint ihm bereits hinlänglich ausgetragen. Auch die Auswertungen der bekannten Archive durch den Autor und dessen solides Wissen bringen ihm keine neuen Erkenntnise. Und dass Wettig schließlich zur Propagandathese neigt, scheint dem Rezensenten zwar plausibel, aber letztendlich nicht mehr als eine Neujustierung der Debatte im alten Gewand zu sein.
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