Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.09.2000
Steffen Alisch kann sich mit diesem Band nicht anfreunden. Zwar respektiert er grundsätzlich Loths "moderat revisionistische Positionen", die als Ursache des Kalten Krieges vor allem die Dominanzbestrebungen der USA ausmachen. Loths Thesen im vorliegenden Band findet der Rezensent jedoch mehr als fragwürdig. Er listet zahlreiche Behauptungen Loths auf, zu denen er selbst jeweils Gegenargumente anzubringen weiß. So äußert sich Alisch skeptisch zu Loths Interpretation, Stalin habe 1952 "freie Wahlen und ein neutrales Gesamtdeutschland" angeboten, was nach Ansicht des Rezensenten allein schon deshalb unglaubwürdig ist, weil dies zu einem Ende des SED-Regimes geführt hätte. Auch die These, "der Ausbau der innerdeutschen Grenze und der Aufbau der DDR-Armee" sei eine defensive Maßnahme und Reaktion auf die westdeutsche Armee gewesen, weiß Alisch zu widerlegen. Geradezu "grotesk" findet der Rezensent Loths Behauptung, die Reiseerleichterungen der SED hätten Brandt und Scheel 1972 über das Misstrauensvotum hinweggeholfen. Alisch erinnert hier an den Stimmenkauf durch die Stasi, von dem Loth offenbar "noch nichts gehört hat". Sogar der Einmarsch in Afghanistan und die Stationierung der SS-20-Rakteten werde vom Autor als defensive Maßnahme interpretiert. Selbst Gorbatschow habe dies "sehr viel weniger" beschönigt, so Alisch.
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