Mit 5 Abbildungen. Vor knapp einem Vierteljahrhundert führten die Volksbewegungen in den ostmitteleuropäischen Staaten und in der DDR sowie der Zusammenbruch der Sowjetunion zum Ende des Kalten Krieges und zur Überwindung der Spaltung Europas. Der damalige Bundeskanzler Kohl nutzte die Gunst der Stunde zur Vereinigung Deutschlands, wobei allerdings die entscheidende Mitwirkung des Auswärtigen Amts und Hans-Dietrich Genschers als damaligem Außenminister in der öffentlichen Aufmerksamkeit vielfach ausgeblendet wurden. Dieses Buch erhellt aus den erst jetzt zugänglichen Quellen die enormen Schwierigkeiten, die außenpolitisch - etwa in Großbritannien, Frankreich und in der Sowjetunion - überwunden werden mussten, um auch durch den Ausbau der EG und die Schaffung der Europäischen Währungsunion zur internationalen Akzeptanz der deutschen Einheit und der Zugehörigkeit zur NATO zu kommen. Entscheidend war - neben der Unterstützung durch die USA -, dass die wirtschaftliche und innenpolitische Schwäche der Sowjetunion ihren Handlungsspielraum einengte, sodass Hans-Dietrich Genscher und das Auswärtige Amt schließlich Gorbatschow dazu bewegen konnten, seine Vorbehalte gegen eine deutsche Vereinigung aufzugeben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.03.2013
Rezensent Hanns Jürgen Küsters schraubt die Erwartungen an dieses Buch mächtig herunter. Was Gerhard A. Ritter in seiner Analyse zur Hans-Dietrich Genschers Rolle bei der Wiedervereinigung schreibt, sei erstes nicht neu und zweitens nicht originell. Ritter habe zwar in den Archiven in Moskau, Paris und London bisher unzugängliche Dokumente einsehen können, räumt der Rezensent ein, bezweifelt aber dass sie tatsächlich das Gewicht besitzen, um das historische Bild der damaligen Verhandlung entsprechend zu verändern. Ritter betont die Bedeutung Genschers und des Auswärtigen Amts vor allem bei den Zwei-plus-Vier-Verhandlungen, was Küsters aber nicht nur fragwürdig findet, sondern schlichtweg falsch. Wenn Ritter wirklich ein neues Licht auf die damaligen Verhandlungen werfen möchte, dann müsste er vielmehr die Einschätzungen der Direktorenrunde des Auswärtigen Amtes miteinbeziehen oder auch das Verhältnis zwischen Gorbatschow und Schewardnadse beleuchten, findet Küsters.
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