Der Fall der Mauer war für viele Deutsche ein unvergleichbares Ereignis in ihrem Leben - auch für Richard von Weizsäcker. Er nimmt seine Erinnerung daran zum Anlaß für eine historische Rückschau auf den Weg zur Einheit. Persönliche Erlebnisse verbinden sich dabei mit Betrachtungen zur deutschen Geschichte, zu den gemeinsamen Traditionen in West und Ost und zu den Herausforderungen der Zukunft. Ein Bericht über die eigenen Erfahrungen und zugleich ein ebenso nachdenkliches wie zuversichtliches Buch über die Deutschen im Spiegel ihrer Geschichte und Gegenwart. Ausgezeichnet mit dem Corine - Internationaler Buchpreis.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.11.2009
Etwas mehr Deutlichkeit hätte sich Ralf Husemann vom Autor gewünscht. Dass Richard von Weizsäcker trotz seines eigenen Wunsches, ein persönliches Buch zur Geschichte der Einheit vorzulegen, den Präsidialton nicht ablegen konnte und doch eher ein Geschichtsbuch verfasst hat, findet Husemann insofern bedauerlich. Anstelle der überwiegend neutralen Beobachtungen hätte er viel lieber klare Worte gelesen, etwa wenn es um Alternativen zu Adenauers Westorientierung geht. Schön deutlich erscheint dem Rezensenten hingegen, wenn Weizsäcker die weichspülenden Einheitsreden im Jahr der Wiedervereinigung geißelt.
Es liegt wahrscheinlich in der Natur der Sache, dass der hier als Rezensent auftretenden Helmut Schmidt nicht nur für das Buch, sondern auch in eigener Sache das Wort ergreift. So erfährt man viel über Schmidts grundsätzliche (und höchst positive) Meinung von Weizsäcker, der Schmidt zufolge bereits vor seinem Eintritt in die Politik operativ und publizistisch auf die deutsch-deutsche Politik Einfluss genommen habe. Auch bescheinigt der ehemalige Bundeskanzler dem ehemaligen Bundespräsidenten eine grundsätzliche Orientierung an Anstand und innerer Moral. In seinem Buch, das nichtsdestotrotz sehr "persönlich und bewegend" sei, weil er die Entwicklungen aus eigener Anschauung beschreibe, bleibe er doch im Hintergrund. In dreißig "relativ kurzen Kapiteln" gebe er ein großes zusammenhängendes Mosaik vom Weg zur deutschen Einheit, die aus Weizsäckers Sicht noch nicht vollendet sei. Man könne die Kapitel auch einzeln lesen, manche gar seien Meisterwerke, andere wiederum greifen für Schmidts Geschmack zu kurz. Anscheinend hätte Schmidt in Weizsäckers Buch auch gerne darüber gelesen, wie dieser seine Partei von dem Entspannungskurs überzeugt habe, den er selbst, so Schmidt, stets vertreten habe.
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