Der junge Friedrich Schiller befreit sich aus den Reglements des württembergischen Herzogtums. Unbändig und ungestüm reißt er sich los; im Herbst 1782 flieht er, bei Nacht und Nebel. In Mannheim winkt ihm die Stelle eines Theaterdichters, aber bald haben sich politische und künstlerische Widerstände aufgetürmt. Der Fünfundzwanzigjährige hat Schulden gemacht und sich in unmögliche Liebschaften verstrickt: ein Leben am Rande der Katastrophe. Freunde, die seine Stücke gelesen haben, bieten ihm Aufenthalt. Aber auch der währt nicht lang: Schiller - ein Asylant in Deutschland. Im Sommer 1787 geht er nach Weimar, die Nähe Goethes suchend und in der Hoffnung, Arbeitsruhe und ein privates Glück zu finden.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 07.05.2005
Mit diesem Buch über den jungen Schiller, so der Rezensent Manfred Koch, legt Friedrich Dieckmann ein Stück "psychoanalytischer Biografik" vor. Aber eben nicht auf platte, sondern auf eine subtile Art und Weise, die unerwartete Erkenntnisse bereithalte. Dieckmann interessiert sich nämlich für Schillers doppelte Bindung an die Mutter und "deren verjüngtes Ebenbild", seine Lieblingsschwester Christophine. Aus dieser Konstellation ergebe sich ein "doppelte Inzesttabu", das für die auffällige Aufspaltung des Weiblichen zwischen ätherischer Jugend und reifer Verführungsmacht in zahlreichen Schiller-Dramen verantwortlich sei. Als Paradebeispiel, so der Rezensent, dient Dieckmann der "Don Carlos", in dem die geliebte Stiefmutter auch gleichtzeitig ehemalige Braut ist, also besagtem Doppelbild entspricht. Dieckmanns Ansatz verhelfe ihm zu einer "kohärenten Deutung von Leben und Werk", und wem die Psychoanalyse nicht schmeckt, behauptet der Rezensent, der wird dieses Buch als Schiller-Biografie und sogar als "faszinierenden Schiller-Roman" lesen und genießen können. Dafür sorgen die "hohe sprachliche Qualität" und die souveräne Art, mit der Dieckmann "Lebens-, Kultur- und Werkgeschichte" zusammen denkt. Besonders wichtig und gelungen findet der Rezensent dabei die Würdigung der jugendlichen Überhitzheit Schillers.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 22.04.2005
Einige der phantasieanregendsten Episoden im Leben Schillers stellen zweifellos seine vorehelichen Frauenbeziehungen dar, meint Dieter Borchmeyer in seiner Mehrfachbesprechung neuerer Schiller-Publikationen. In Friedrich Dieckmanns "grandioser" Biografie des jungen Schiller findet er diese aufs Eindrucksvollste wiedergegeben. Insbesondere lobt der Rezensent die Analyse des erotischen Verhältnisses, das Schiller mit Henriette von Arnim verband: Die "von den Biografen meist stiefmütterlich beurteilte Henriette von Arnim" erscheine bei Dieckmann "als eine junge Frau von ungewöhnlicher Liebes-Würde". Bedauern äußert der ansonsten begeisterte Rezensent lediglich darüber, dass Dieckmann, der sich durch seine Mozart-Studien bereits als intimer Kenner des 18. Jahrhunderts ausweist, sich auf den frühen Schiller beschränkt hat.
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