Denis Bertholet

Paul Valery

Die Biografie
Cover: Paul Valery
Insel Verlag, Berlin 2011
ISBN 9783458175247
Gebunden, 660 Seiten, 39,90 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Bernd Schwibs und Achim Russer. Lange Zeit war er einer der großen Unbekannten der europäischen Literatur: Paul Valery. Und das Bild vom Schöpfer kristalliner Dichtung und vom brillanten Essayisten, vom zurückgezogen lebenden Dichter im Elfenbeinturm eines Pariser Ministeriums zumindest äußerst einseitig. Denn in Paul Valery kämpften widersprüchliche Energien: Da waren Lebenskrisen, die ihn zeitweise völlig aus der poetischen Bahn zu werfen drohten; da war die über zehnjährige obsessive Beziehung zu Catherine Pozzi, die seine Ehe gefährdete. Valerys Genie der Ordnung lief stets Gefahr, von Gefühlen überwältigt zu werden.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.06.2012

DIE Biografie ist dieses Buch vielleicht nicht, meint Helmut Mayer und verweist zum Beleg auf Michel Jarretys Arbeit. Ein lesenswertes Buch über den Verfasser der "Cahiers" ist es aber allemal, Denis Bertholets Buch über Paul Valery aus dem Jahr 1995, das Mayer aufgeräumt findet und geschrieben mit erzählerischer Lust am Beweis, das Biografie nicht heißen muss, den Leser mit originellen Interpretationen zu langweilen. Den biografischen Gang geht er mit dem Autor umso lieber, bewundert dessen Umgang mit den Quellen, und freut sich über Details zu Valerys Lektüre, Freunden, zu Finanziellem und, aha, Urheberrechtlichem.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.02.2012

Die Neigung des Autors zu schwülstigen Formulierungen und Allgemeinplätzen macht Thomas Laux zu schaffen. Aber am meisten stört ihn an dieser Valery-Biografie von Denis Bertholet, dass darin die entscheidende Frage nicht gestellt wird: Wer soll Valery heute noch lesen – und erst außerhalb Frankreichs? Und wieso? Kein Zweifel, Laux ist der Autor der "Cahiers" einfach zu spröde, für ihn sitzt er unter einer Glasglocke, sein Werk auch. Gut, die extensive Quellenarbeit Bertholets muss Laux anerkennen, doch etwas mehr Kritik an diesem obskuren Objekt der Biografenbegierde hätte er sich schon gewünscht.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.01.2012

Gar nicht übel dieser Ansatz, meint Ralf Konersmann, der genau weiß, wie schwer es Paul Valery seinen Biografen macht, indem er nämlich seine geistige Existenz in höchster Transparenz gelebt hat, ausgestellt in einem ungeheuren Werk. Die schiere Überforderung für jeden Biografen. Wenn Denis Bertholet nun ganz bescheiden auftritt, statt auf Deutungen auf Daten und Zitate setzt und dabei Valerys Aufstieg und Alltag als Lichtgestalt der Pariser Literaturszene schildert, so hält Konersmann das für gelungen. Der Kontrast zwischen solcher Schlichtheit und Valerys funkelnder Prosa erscheint ihm reizvoll. Dass dabei auch die vertiefte Kritik flöten geht, etwa an Valerys Antisemitismus, sowie die ein oder andere erhellende Erklärung zum aufgelisteten Lesepensum des Meisters oder zu seiner Rezeption außerhalb Frankreichs, findet der Rezensent weniger gut. Hat sich der Autor wohl ein bisschen zu viel Zurückhaltung gestattet.

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