Wo frühere Biografen in Goethes und Schillers Verbindung oft nur das bloße Zweckbündnis sahen und selbst in jüngster Zeit der Fokus eher auf die "gemeinsame Lebensarbeit" gerichtet wurde, deckt Katharina Mommsen noch ganz andere, bisher verborgene Dimensionen des einzigartigen Dichterbundes auf: In vielen Liebesgedichten, die die Freunde einander insgeheim zueigneten, und in chiffrierten Zeugnissen gegenseitiger Zuneigung ist ein geheimer Dialog zu entdecken, der den innersten Grund ihrer Partnerschaft offenbart. Die deutsch-amerikanische Literaturwissenschaftlerin lenkt den Blick auf die Geburt der Weimarer Klassik aus dem Geist des platonischen Eros. Dicht an den Texten lässt sich das gemeinsame Ringen um Wiedergewinnung antiken Geistes verfolgen, das nicht nur Sehen, Denken und Schreiben der Dichter, sondern auch ihr Gefühlsleben verwandelte.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 29.01.2011
Katharina Mommsen, immer noch große Dame der Goethe-Forschung, widmet sich in ihrem neuesten Buch der viel besungenen Freundschaft zwischen Goethe und Schiller. Hier gibt es einige Kapitel, die Rezensent Gustav Seibt auf jeden Fall wärmstens empfehlen kann, etwa zur Werkbeziehung zwischen den beiden. Aber Was die beiden verband, will Mommsen auch nachweisen, war nicht nur Kollegialität, nicht Freundschaft, sondern Liebe. Männerliebe. Da zuckt Seibt erst zurück und notiert die üblichen Einwände gegen eine buchstäbliche Lesart. Allerdings kommt er doch ein wenig ins Grübeln, ob Mommsen nicht doch recht haben könnte. Auch wenn er ihr letzten Endes nicht folgt, hat er doch ihre Ausführungen mit Gewinn gelesen und findet die Interpretation einiger Gedichte einfach bestechend.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.01.2011
Der Band "Kein Rettungsmittel als die Liebe" von Katharina Mommsen ermöglicht dem Rezensenten Manfred Osten einen erhellenden Blick auf die Beziehung zwischen Goethe und Schiller. Die Literaturwissenschaftlerin und Goethe-Expertin führt für ihn in diversen Vorträgen und Aufsätzen vor Augen, dass zwischen den beiden Dichtern eine platonisch-homoerotische Beziehung bestand, die von der Forschung bislang kaum zur Kenntnis genommen wurde. Mommsen gelingt es zu seiner Freude überzeugend, anhand zahlreicher Gedichte und anderer chiffrierter Zeugnisse den geheimen Liebesdialog, den die Freunde führten, zu enthüllen und widersprüchliche Äußerungen Goethes über Schiller zu erklären. Osten schätzt vor allem die Empathie und das "philologische Eros" der Autorin. Mit Lob bedenkt er auch das Nachwort von Ute Maack, das einen guten Überblick über die von Mommsen untersuchten dichterischen Texte gebe.
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