Am Anfang verbietet Gott Adam und Eva, vom Baum der Erkenntnis zu essen. Ein Muster, das sich durch die Jahrtausende nicht geändert hat: Die Geschichte des Wissens, so zeigt uns Ernst Peter Fischer, ist immer auch eine Geschichte seiner Unterdrückung. Er erzählt von Giordano Bruno, der für sein Wissen über das Weltall auf dem Scheiterhaufen landete, und von Leonardo da Vinci, der seine anatomischen Studien verbarg, um nicht in Konflikt mit der Kirche zu geraten. Aber diese Beispiele zeigen auch: Wissen lässt sich nicht dauerhaft verbieten. Dabei darf nicht die dunkle Seite vergessen werden, denn Wissen bedeutet, wie Francis Bacon festhielt, auch Macht. Wie wäre das 20. Jahrhundert verlaufen, wenn die Erfinder der Atombombe ihre Erkenntnisse für sich behalten hätten? Wie steht es um die Embryonenforschung heute - muss dieses Wissen nicht reglementiert werden? Und lässt es sich im Hyper-Informationszeitalter überhaupt noch verbieten?
Rezensentin Marianna Lieder hat sich von Ernst Peter Fischer im "Schleudergang" durch die Geschichte verbotenen Wissens schleifen lassen. Angefangen beim Sündenfall, thematisiert der Autor ihr zufolge auf dreihundert Seiten so viele Anekdoten aus 2.000 Jahren Forschung - darunter Genomentschlüsselung, Reproduktionsmedizin und vieles mehr -, dass er kaum je zu anregenden Ergebnissen gelangen kann. Darüber hinaus zeigt Fischer sich für ihren Geschmack zu deutlich als "Vernunftoptimist". Auch sein Fazit, dass verbotene Früchte schon immer die attraktivsten gewesen seien, findet die Kritikerin zu banal.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 22.11.2019
Anna Gielas zeigt sich enttäuscht von dem Buch des Wissenschaftshistorikers Ernst Peter Fischer. Was Wissen ist und wie damit umzugehen sei, diese Fragen beantwortet der Band laut Gielas allzu oberflächlich und ohne originellen Zugang. Dass der Autor nur die bekannten Fälle vom Umgang mit Wissen rekapituliert, Kopernikus, Galilei und die Geheimen, und zum Generalisieren neigt, missfällt Gielas ebenso. Insgesamt hält sie die idealisierende Stoßrichtung des Autors, der das Wissen als Voraussetzung für moralisches Handeln ausgibt, für problematisch.
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