Ikonische Prägnanz gründet in der Ökonomie des Entzugs. Ihre Kunst offenbart sich in dem, was sie nicht zeigt. Ikonische Prägnanz bezeichnet die Verdichtung von Zeit- und Handlungsmomenten im Bild. Der Begriff verbindet gestaltphilosophische Überlegungen zur "symbolischen Prägnanz" (Cassirer) mit ikonologischen Untersuchungen des "prägnantesten Augenblicks" (Lessing). In sechs pointierten Essays, deren Analysekriterien die programmatische Einleitung entwickelt, wird dieses nicht unumstrittene Konzept in der Deutung vormoderner Bildwerke erprobt. Ihre Sujets reflektieren unterschiedliche Zeitverhältnisse: die Entzeitlichung von Präsenz, die Darstellung zeitlicher Allgegenwart, das Verschwinden des Augenblicks in der Zeit, den Zusammenfall von historischer Zeit, Betrachtungszeit und Bildzeit.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.02.2016
Dass sich das vom Autor angewandte Interpretations-Konzept der ikonischen Prägnanz auch bei der abstrakten Malerei bewährt, erkennt der rezensierende Münchner Germanist Friedrich Vollhardt am Ende von Dirk Westerkamps Buch. Zuvor hatte der Autor ihm dreistufig, mittels phänomenologischer und kunsttheoretischer Terminologie, Rembrandt und Jan Lievens auseinandergesetzt, frühchristliche Kunst, dann weiter Hegels Raffael-Deutung. Überraschende Fragen stellen sich dem Rezensenten während der Lektüre. Die ein oder andere Wiederholung im locker gefügten Band kann er verkraften.
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