Der Autor geht der Frage nach, in welchem Maße Visualisierung zur Disziplinierung des Einzelnen im Zusammenhang einer frühneuzeitlichen Herrschaftsauffassung eingesetzt wurde. Der neue Umgang mit Bildern im ausgehenden 16. und 17. Jahrhundert, der sich in Stil, Ikonographie, Frömmigkeitsverständnis und perspektivischem Illusionismus ausdrückte, war verbunden mit einer "Vision" von Gesellschaft. Posttridentinische Theologen entwickelten eine utilitaristische, politisch wirksame und medienhistorisch relevante ästhetische Konzeption der Bildtheorie, bei der der Betrachter ins Zentrum gelangte. Eine Weiterentwicklung dieses römischen Modells stellte die Herrschafts- und Frömmigkeitspraxis der Habsburger dar. In Breslau vollzogen sie mit Hilfe der Jesuiten Inszenierungen im Innenraum der Kirche oder des Kollegs. Der "bewegte Betrachter" wurde in Szene gesetzt, wobei posttridentinisch-jesuitische Bildauffassung, römische Modelle sowie habsburgische Repräsentation und Frömmigkeitspraxis synthetisiert wurden. Mit Hilfe transitorischer Wahrnehmung und synästhetischer Inszenierung wurde die Wahrnehmung des Betrachters gelenkt und kontrolliert.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 21.03.2005
Jens Baumgartners Studie über gegenreformatorische Bildstrategien haben das "Konfessionalisierungsparadigma" erweitert, stellt ein interessierter Eric-Oliver Mader fest. Bei seiner Untersuchung der katholischen Visualisierungstheorie analysiert der Autor sowohl die "politisch-theologische" Grundlage als auch die "Visualisierung als Herrschafts- und Disziplinierungsinstrument, so der Rezensent weiter. Dafür beschäftigt er sich exemplarisch mit drei "Bildtheologen", Carlo Borromeo, Gabriele Paleotti und Robert Bellarmino, die den katholischen Bildstrategien die theoretische Grundlage gegeben haben. Baumgartner macht mit dieser Studie deutlich, dass sich die katholische Theologie nicht allein auf Bilder bei der Vermittlung der religiösen Inhalte verließ, sondern dass die "Rhetorisierung des Bildes" und eine enge Verknüpfung mit dem Wort im Vordergrund stand, so Mader angetan. Er lobt das Buch als "gelungenes Beispiel" für die Ausweitung des "Konfessionalisierungsparadigma" und findet es nur ein bisschen schade, dass die "interessante Frage", was die damaligen Betrachter von solchen Bildstrategien gehalten haben, vom Autor nicht behandelt wird.
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