Glamouröse Fiktion des Bösen: Während "The Nazis" noch eine Bildersammlung von Nazi-Darstellern im Film war, fügt der polnische Künstler Piotr Uklanski nun seiner Arbeit einen weiteren Bilderzyklus hinzu. Es ist ein radikaler Kommentar zur aktuellen politischen Stimmungslage, in der die Grenzen zwischen dem Populistischen und dem Faschistoiden zunehmend verschwimmen: "Real Nazis" versammelt Bilder "echter" Nazis - Parteigrößen, Kriegshelden und Verbrecher. Aus zahlreichen Archiven sorgfältig zusammengestellt, legt das Folgebuch nun die propagandistisch-inszenatorische Bilderwelt des Dritten Reichs wiederum folienhaft über die fiktionale Nazi-Ikonografie Hollywoods. Und die fiktiven und die realen Exponenten des
Bösen sind sich auf gespenstische Weise zum Verwechseln ähnlich. Auch in der gleich gehaltenen Gestaltung und Materialität spiegelt der "hässlichen realen Bruder" das "glamouröse" Künstlerbuch.
Brigitte Werneburg schaut sich die Fotos von Piotr Uklański Folgeprojekt zu "The Nazis" von 1999 an und stellt fest, dass die Sammlung ohne den surrealen Witz ihres Vorgängers auskommen muss. Statt Kostümball nun Nazi-Bilder aus unterschiedlichen Quellen, erklärt sie, vom Führerfotografen Walter Frentz wie von August Sander. Interessant und durchaus aufklärend zu sehen, meint die Rezensentin, wie die Täter gesehen werden wollten, und warnt zugleich davor, die Sammlung als Wahrheit zu begreifen. Denn, so Werneburg, Uklanski sei weder Historiker noch Journalist, sondern Künstler. So konnte sich auch ein Porträt von Joseph Beuys in den Band verirren, mutmaßt sie.
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