Herausgegeben von Frank Grunert, Matthias Hambrock und Martin Kühnel. Über die weitreichende Bedeutung von Briefwechseln für die Formierung der frühneuzeitlichen Gelehrtenrepublik besteht seit längerem ein für geisteswissenschaftliche Verhältnisse ungewöhnlicher Konsens. Die großen Briefwechsel von Grotius, Leibniz oder Haller machen deutlich, dass die Innovationsdynamik der Gelehrtenkultur im 17. und 18. Jahrhundert im Wesentlichen auf Kommunikationsstrukturen zurückzuführen ist, die durch Korrespondenzen und durch die damit verbundenen Netzwerke etabliert wurden. Obwohl der in Halle lehrende Jurist und Philosoph Christian Thomasius (1655-1728) zu den "schlechthin zentralen Persönlichkeiten" der deutschen und - über deren Rezeption - auch der europäischen Aufklärung gehört, ist eine Edition seiner Korrespondenz zwar verschiedentlich als Desiderat benannt, tatsächlich aber noch nie in Angriff genommen worden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.03.2021
Der hier rezensierende Historiker Martin Mulsow, Professor für Wissenskulturen der europäischen Neuzeit in Erfurt, liest die Korrespondenz des Frühaufklärers Christian Thomasius aus den Jahren 1693-1698 wie einen Krimi. Die Netzwerke und Auseinandersetzungen der damaligen Zeit zwischen Halle und Leipzig, zwischen Theologen, Naturwissenschaftlern und Ökonomen spiegeln sich laut Mulsow in den Briefwechseln von Thomasius mit Zeitgenossen wider. Gesellschaftspolitisches und Akademisches wird für Mulsow sichtbar sowie die einander bekämpfenden akademischen Lager. Zusammen mit den reichen Kommentaren der Edition bilden die auf einen lebendigen Diskurs verweisenden Briefe für den Rezensenten die Basis für eine "Netzwerkgeschichte" der Frühaufklärung.
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