Herausgegeben und aus dem Französischen übersetzt von Rudolf von Bitter. Die Vorstellung, dass die eine Hälfte der Menschheit wert- und verdienstvoller, stärker und klüger sei als die andere, hält sich durchaus hartnäckig. Doch auch der Protest gegen diese unsinnige Behauptung ist alt: Louise Dupin war eine "Aufklärerin" und Pionierin des Feminismus. Gut gelaunt, großzügig und geduldig behandelt sie in ihrem Traktat die vermeintlichen Geschlechterunterschiede, auf die Politik, Rechtsprechung und Moralvorschriften gründen. Auf welch windigen Annahmen die Behauptung männlicher Überlegenheit beruht, nimmt sie genüsslich aufs Korn und mithilfe vieler Beispiele auseinander. Geschrieben vor beinahe 300 Jahren ist ihre sorgfältig ausgearbeitete Abhandlung ein Vorläufer von Simone de Beauvoirs ikonischem Werk: Denn Louise Dupin ist entschieden überzeugt davon, dass "wir nicht als Mädchen geboren, sondern dazu gemacht werden". Freiheit, Gleichheit, Geschwisterlichkeit bleiben Ideale, Humor eine erfrischende Waffe.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.09.2025
Rezensentin Sonja Asal lernt eine frühe Verfechterin der Gleichberechtigung kennen in diesen Auszügen aus einem nie veröffentlichten Traktat von Louise Dupin. Die Auswahl mit "informativem Kommentar" zeigt Asal eine Autorin, die lakonisch und ironisch, und vor allem treffsicher über das ungleiche Verhältnis von Frau und Mann in ihrer Zeit schreibt. Argumentativ klar strukturiert, wenngleich auch nicht ganz ohne "Systemzwang", wie Asal feststellt, geht Dupin von der robusten Frau aus, für die die Geburt kein schmerzvolles Unterfangen darstellt und die nur auf die Gelegenheit wartet, mit dem Mann gleichzuziehen. Für die Änderung des gesellschaftlichen Bewusstseins setzt Dupin auf Bildung, erklärt Asal. Das Manuskript wurde nie veröffentlicht, die Autorin war ihrer Zeit voraus, mutmaßt die Rezensentin.
Tony Tulathimutte: Fiasko Aus dem Amerikanischen von Stefanie Jacobs, Stefanie Ochel und Jan Schönherr. Ein erklärter Feminist fällt ins Wurmloch der Incel-Szene. Eine Frau versinkt in einer selbstzerstörerischen… Eva Menasse: Alleinruhelage Nach dem Ende der Ehe steht eine Frau mit ihrem Wochenendhaus plötzlich allein da. Hier hat sie einst mit der Familie die Idylle gesucht und will nun den Neuanfang wagen.… Heinz Strunk: Memories of Heidelberg Heidelberg im Frühling! Bertram und Isolde, ein in die Jahre gekommenes Paar aus Oldenburg, möchten sich in der romantischen Kurpfalz mal einen richtig schönen Kurzurlaub… Miriam Carbe: Unerwünschte Töchter Die Familie eines deutschen Jahrhunderts: Margarethe, Marianne, Monika, Miriam. Vier Generationen. Sie lieben sich, sie tun sich weh, sie kämpfen um ihre Unabhängigkeit.…