Marie de Gournay (1565?1645) war autodidaktisch gebildet, eine vorurteilslose Denkerin, eigensinnig und leidenschaftlich, mit sozialem Spürsinn begabt und ausdauernd streitbar. Die Verfasserin von "Die Gleichheit von Männern und Frauen" (1622) und der wenig später erscheinenden Schrift "Der Schatten" wurde als ?fille d?alliance? Montaignes nach dessen Tod Herausgeberin seiner Essais. Wenn sie auch die Achtung des Philosophen erringen konnte, die Querdenkerin Gournay überschritt nicht ungestraft das Gesetz der Geschlechter. Für eine Gesellschaft auf dem Wege in die Modernität wurde sie zunehmend zur Zielscheibe des Spotts und zum Inbegriff von "Rückständigkeit". Ein Buch über eine außergewöhnliche Frau und zugleich ein wichtiger Beitrag zur Mentalitätsgeschichte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 08.03.2001
Susanne Lüdemann zeichnet in ihrer Besprechung die Figur der Marie de Gournay nach, die Michel de Montaigne in jungen Jahren kennengelernt hat und nach seinem Tod seine Werke herausgegeben hat. Wobei, wie Lüdemann anmerkt, unklar ist, ob es bei dem späten Montaigne durch die Begegnung mit Marie de Gournay tatsächlich zu einer veränderten Ansicht über die Möglichkeiten der "allerheiligsten Freundschaft" mit dem weiblichen Geschlecht gekommen ist oder ob Marie de Gournay, wie häufig vermutet, eigenmächtig Textstellen verändert oder hinzugefügt hat. Unzufrieden zeigt sich die Rezensentin mit dem unterschwellig vorhandenen larmoyant-feministischen Ton dieser Biografie. Mit dem Bild der Gournay als "Märtyrerin des Frühfeminismus" erweist die Autorin den Frauen und speziell de Gournay einen schlechten Dienst, findet die Rezensentin.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 09.12.2000
Dies ist ein Buch über die "erste Feministin der Neuzeit", schreibt Ute Scheub, und über die Tragödie, als Frau der eigenen Zeit weit voraus zu sein. Scheub belegt das in ihrer Besprechung mit ausführlichen Zitaten der Autodidaktin und Freundin Montaignes, die als Kind armer Eltern über keine nennenswerte Schulbildung verfügte. So schrieb sie 1622, mit 30 Jahren, das Traktat "Über die Gleichheit von Frauen und Männern", das ihr jedoch laut Scheub nur Hohn und Spott einbrachte. Rauschenbach jedoch ist mit dieser Biografie "eine passagenweise etwas wirre, insgesamt aber spannende und lesenswerte Studie" gelungen, resümiert die Rezensentin.
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