1914 gehörte die Familie Veit Simon zu den ältesten und bekanntesten Berliner jüdischen Familien. Durch Fleiß und Bildungseifer hatten sie Wohlstand und gesellschaftliche Anerkennung erworben; durch den Holocaust sollten sie beides verlieren. Anhand des letzten großbürgerlichen Veit Simon, seiner nichtjüdischen Ehefrau und deren sechs Kindern zeigen die Autorinnen, wie der nationalsozialistische Massenmord erst die Zukunftsaussichten, dann das gesellschaftliche Umfeld, die Lebensgrundlagen und schließlich die nackte Existenz zerstörte. Einige Familienangehörige emigrierten in eine ungewisse und entbehrungsreiche Zukunft. Von denjenigen, denen die Flucht nicht gelang, überlebten nur die nichtjüdische Mutter und eine Tochter. Insbesondere die Geschichte der Tochter Etta, die sich in den widrigsten Bedingungen im Ghetto Theresienstadt zu behaupten wusste, wirft darüber hinaus ein neues Licht auf den Aspekt des Geschlechts im Genozid.
Rezensent Klaus Hillenbrand hat aus diesem schmalen Band gelernt, dass die Veit Simons einst zu den angesehensten Familien Berlins gehörten, bis die Nazis dem Glück der großbürgerlichen Juden ein grausames Ende bereiteten. Die beiden Autorinnen haben in Nachlässen und Archiven akribisch recherchiert, um den Untergang der Bankiers- und Anwaltsfamilie mit vielen herrschaftlichen Häusern detailliert festzuhalten, erklärt der Kritiker: Sie folgen ihrem Leid solange, bis sie bei den letzten verbleibenden Spuren - ein paar Biedermeiermöbeln in US-amerikanischen Haushalten - ankommen. Wegen der Aufarbeitung privater Schicksale hat dieses Buch Hillenbrand die schreckliche Bedeutung des Holocaust deutlicher gemacht als "die Millionenziffern von Toten", weshalb er es für unbedingt lesenswert hält.
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