Aus dem Englischen von Tim Schneider. Mit 32 Abbildungen. Matti Friedman schreibt die bislang unerzählte Geschichte der geheimnisvollen "Arabischen Sektion", einer Gruppe jüdisch-arabischer Spione, die im Zweiten Weltkrieg von britischen Spionen und jüdischen Militärführern gegründet wurde. Da sie sich aus Juden zusammensetzte, die aus arabischen Ländern stammten und somit leicht für Araber gehalten werden konnten, war sie dafür auserkoren, geheime Informationen zu sammeln, Sabotageakte und Attentate zu verüben. Als 1948 der erste jüdisch-arabische Krieg ausbrach und große Teile der arabischen Bevölkerung Palästinas vor den Kämpfen flohen, schlossen sich einige Sektionsagenten als Flüchtlinge getarnt diesen an. Sie zogen nach Beirut, wo sie zwei Jahre undercover von einem Kiosk aus operierten und ihre Nachrichten über eine als Wäscheleine getarnte Sendeantenne nach Israel funkten. Während ihrer gefährlichen Arbeit waren sie sich oft nicht sicher, wem sie Bericht erstatteten und manchmal sogar, wer sie selbst geworden waren. Von den zwölf Männern der Einheit zu Beginn des Krieges wurden fünf gefangen und hingerichtet. Aber schließlich wurde ihre Sektion zur Keimzelle des Mossad, Israels Geheimdienst.Friedman vermittelt überraschende Einblicke in das Wesen des Staates Israel - ein Land, das nach eigenem Selbstverständnis Teil der europäischen Geschichte ist, obgleich mehr als die Hälfte seiner Bevölkerung aus Ländern des Nahen Ostens stammt. Für alle, die sich für echte Agenten und die Paradoxien des Nahen Ostens interessieren, ist "Spione ohne Land" eine intime Geschichte von globaler Bedeutung.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 10.06.2022
Rezensent Andreas Scheiner reibt sich die Augen über das, was Matti Friedman in seinem Buch über die Anfänge des Staates Israel erzählt. So hat er das noch nicht gelesen. Wenn Friedman "verschmitzt" über die frühen Geheimdienstoperationen im Unabhängigkeitskrieg 1948 schreibt, über jüdisch-arabische Spione versteckt in Kiosken und britische Internierungslager auf Zypern, fragt sich der Rezensent, warum es diese verrückte Geschichte noch nicht auf Netflix gibt.
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