Mit Abbildungen. Die Remigration jüdischer Theaterkünstler: Rückkehr in ein "gebrochenes Leben".
Remigration: lange Zeit war dies ein unterbelichtetes - mitunter zu heikles - Thema in der Zeitgeschichte. Das gilt auch für eine Berufsgruppe, die doch in ganz besonderer Weise "im Rampenlicht" der Öffentlichkeit stand: jüdische Theaterkünstler. Anat Feinberg unternimmt erstmals den Versuch einer Gesamtdarstellung, indem sie die Schicksale von 200 Theaterkünstlern untersucht, die nach 1945 entweder auf Dauer oder vorübergehend in eines der beiden Teile Deutschlands zurückkehrten. Zu den bekanntesten unter ihnen zählten Ernst Deutsch, Steffie Spira oder Claudius Kraushaar.
Zwar gelang es der Mehrzahl der dauerhaften Rückkehrer, im deutschen Theaterleben wieder Fuß zu fassen, doch erwies sich für viele Remigranten die Rückkehr als eine Heraus- und mitunter auch als eine Überforderung. Nicht selten war es unmöglich, dort anzuknüpfen, wo die Karriere 1933 ein jähes Ende gefunden hatte. Erschwerend hinzu kamen die Narben der Vergangenheit: Ausgrenzung, Emigration und die langen Jahren im Exil hatten viele Remigranten gezeichnet. Manche Wunde verheilte nie.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 21.07.2018
Peter Laudenbach erfährt aus Anat Feinbergs Studie über die Erlebnisse jüdischer Heimkehrer aus der Theaterkunstszene nach 1945 Wissenswertes über Exilerfahrungen und den Mangel an moralischer Sensibilität bei den Daheimgebliebenen. Wenn Feinberger aufgrund von umfangreichen Quellenstudien und Recherche "schlaglichtartig" Skizzen aus dem Exil zeichnet und den Theaterbetrieb Nachkriegsdeutschlands "tiefenscharf" abbildet, vergeht Laudenbach alle Hoffnung auf eine anständige Theaterzunft. Lilli Palmer und Eric Schildkraut, aber auch weniger bekannte Remigranten und ihre Erfahrungen rücken für Laudenbach in den Blick. Bitteres, Beklemmendes und Beschämendes vermag ihm die Autorin mit Nüchternheit zu vermitteln, darunter das Konkurrenzdenken und die "Verpanzerung" gegen das Mitgefühl mit den Geflüchteten. Für den Rezensenten wichtige Erinnerungsarbeit.
Lena Schätte: Das Schwarz an den Händen meines Vaters Motte wird sie von ihrem Vater genannt. Eigentlich hat sie sogar zwei Väter: den einen, der schnell rennen kann und sich auf alle Fragen eine Antwort ausdenkt. Und den anderen,… Angelika Klüssendorf: Trost 2022. Angelika Klüssendorf erzählt von Liebe, Entzweiung und der Sehnsucht nach Zugehörigkeit. Rita, Meisterin darin, sich in die falschen Männer zu verlieben, fällt plötzlich… Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen…