Großartig und nervtötend, liebevoll und erdrückend, aufopfernd, aber auch übergriffig - Michel Bergmann liebt seine Mutter Charlotte und hält sie manchmal nicht aus. Er erzählt in diesem Buch, in dem er nichts und niemanden schont, die Geschichte dieser eigenwilligen, starken Frau: ihre Vertreibung aus Deutschland, der Verlust fast der gesamten Familie, das Glück, ihren künftigen Ehemann wiederzufinden, und dennoch ein Schicksal, bei dem sie allzu oft ganz auf sich allein gestellt ist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.07.2023
Rezensentin Lerke von Saalfeld liest Michel Bergmanns Buch über seine 2021 verstorbene Mutter mit Respekt. Wie das Erleben und Überleben des Antisemitismus und des KZs die Mutter innerlich verhärtete, wie Ausgrenzung und Internierung sie zur dauernden Anklägerin auch gegen den Sohn machte, erzählt Bergmann laut Saalfeld mit Entsetzen, aber auch mit unerschütterlicher Mutterliebe. Besser konnte der Autor das Vermächtnis der Mutter kaum bewahren, findet der Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 15.06.2023
Sehr beeindruckt zeigt sich Stephanie von Oppen nicht nur von Michel Bergmanns Buch, sondern auch von der Person, die es porträtiert: Im Fokus steht die Mutter Charlotte, die dem Bild der aufopferungsvollen jüdischen 'Mame' entspricht, meint der Rezensent. Nur knapp ist sie dem Holocaust entkommen, Sohn Michel kommt in einem Schweizer Internierungslager zu Welt, wohin sie sich, anders als der Rest ihrer Familie, retten konnte. Das Trauma des Erlebten überträgt sich auch auf den Sohn, der unter der Fuchtel seiner Mutter steht, sie ist übergriffig, besitzergreifend, aber eben auch warmherzig, lustig und lebensfroh, konstatiert Oppen. Diesen Zwiespalt, diese Spannungen lotet der Autor für sie auf berührende und liebevolle Weise aus, sodass sie das Buch gerne weiterempfiehlt.
Shida Bazyar: Die Lücken Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre… Caroline Blackwood: Das Schicksal von Mary Rose Aus dem Englischen von Claudia Voit. Caroline Blackwood, Erbin des Guinness Vermögens und schillernde Figur der Londoner Bohème, hat aus ihrer Herkunft und ihrem Leben keine… Anne Carson: Rot Aus dem amerikanischen Englisch von Anja Utler. Der rote Junge Geryon ist unsterblich in Herkules verliebt, der dem Jüngling nicht zu widerstehen vermag. Auf dem Höhepunkt… Dana Vowinckel: Anton und Alma Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren…