Aus dem Tschechischen von Christina Frankenberg. Mit einem Nachwort von Jaroslav Rudiš. Sie war die letzte deutschsprachige Autorin Prags, die große Dame der deutsch-tschechischen Literatur, Jüdin, und sie hat sie bis zu ihrem Tod 2008 in Prag alle überlebt: Anna Seghers, Egon Erwin Kisch, Max Brod. Vor den Nazis flüchtet sie über Paris, Marseille und Casablanca bis nach Mexiko-City, nach ihrer Rückkehr wird sie im Zuge der stalinistischen Säuberungen in der Tschechoslowakei inhaftiert - Lenka Reinerová lebte ohne Zweifel eine der bewegendsten Biografien des vergangenen Jahrhunderts. In ihrem so poetischen wie persönlichen Buch nimmt ihre Tochter Anna Fodorova, die heute als Psychotherapeutin in London lebt, Abschied von der berühmten Mutter. Es ist die Geschichte der letzten Jahre von Lenka Reinerová, es ist eine neue Begegnung mit der großen Dame der deutsch-tschechischen Literatur, und es ist der Blick einer erwachsenen Tochter auf das Leben mit ihrer Mutter.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 03.08.2022
Rezensentin Alena Wagnerová würdigt Anna Fodorovás Erinnerungen an ihre Mutter nicht nur dafür, dass sie eine neue Sicht auf die berühmte und äußerst umtriebige und produktive Kommunistin und Erzählerin gewähren. Wagnerová lobt auch, dass man einen tiefen Einblick in die familiären Tabuzonen erhält, die der Holocaust hinterlassen hat. Das "mit Liebe und Verständnis verfasste Erinnerungsbuch" ist somit auch ein Zeugnis der tiefen Ambivalenz der Tochter gegenüber der eigenen Familiengeschichte und den darin aufbewahrten transgenerationalen Traumata, findet die Rezensentin.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 12.05.2022
Rezensentin Olga Hochweis gefällt das dichte und feinsinnige Erinnerungsbuch von Anna Fodorova über ihre 2008 verstorbene Mutter, die Journalistin und Autorin Lenka Reinerova, die als letzte Vertreterin der deutsch-jüdischen Literatur in Prag galt. Fodorova, die seit mehr als 50 Jahren in London lebt, verfasste das Buch auf Tschechisch um fragmentarisch und ohne Chronologie von den Traumata und Verlusten ihrer Mutter zu erzählen, die auch ihr eigenes Leben prägten, erklärt die Rezensentin. Die lesenswerte Darstellung dieser Mutter-Tochter-Beziehung ist herzerwärmend und vor dem Hintergrund aktueller Geschehnisse tragischerweise auch aktuell, schließt Hochweis.
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