Ein Buch mit seinen Fotografien von Roma hatte Josef Koudelka bereits 1968 entworfen. Es sollte in der Tschechoslowakei veröffentlicht werden. Doch dazu kam es nicht, denn der Fotograf musste aus politischen Gründen das Land verlassen. In Paris entstand eine veränderte Ausgabe: Sie enthielt eine Auswahl von sechzig Fotografien, die Roma aus dem Osten der Slowakei zeigten. Sie erschien 1975 in Frankreich unter dem Titel "Gitans, la fin du voyage" und in den USA und wurde eines der wichtigsten Fotobücher des 20. Jahrhunderts.
Rezensent Lennart Laberenz weiß genau, welchen Schatz er mit Josef Koudelkas Bildern in den Händen hält: nicht weniger als eines der "großen Fotobücher des 20. Jahrhundert". Koudelka wurde mit seinen Fotos von der Niederschlagung des Prager Frühlings berühmt, die die Agentur Magnum in den Westen schmuggelte, von seiner Reise in den Westen konnte er nicht mehr in die Tschechoslowakei zurück. Seine Bilder von der slowakischen Roma sind bereits Anfang der sechziger Jahre entstanden, wochenlang hat er mit ihnen gelebt, und was sie zeigen, hat den Rezensenten nachhaltig beeindruckt, wenn nicht erschüttert: Einen Mann, der gerade seine Frau umgebracht hat, ein Junge, der einem anderen ein Messer an die Kehle hält, eine alte Frau im frostigen Frühjahr mit einem nackten Kind in den Armen. Was Laberenz dabei aber fasziniert, ist die unverstellte, "schnörkellose Direktheit", mit der die Menschen in die Kamera blicken. Epochal, findet Laberenz, und "endlich, endlich" wieder auf Deutsch neuaufgelegt.
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