Aus dem Tschechischen von Silke Klein. Václav Havel (1936-2011) war während der Herrschaft der kommunistischen Partei einer der führenden Regimekritiker der Tschechoslowakei, mehrfach verhaftet und wiederholt im Gefängnis. Nach der "Samtenen Revolution" wurde er zum letzten Präsident dieses Staates (1989-1992) gewählt und anschließend zum ersten Staatspräsident der neuen Tschechischen Republik (1993-2003). Bis zu seinem Ausscheiden aus dem Amt hat sich Havel maßgeblich für die deutsch-tschechische Aussöhnung eingesetzt und die Anbindung Tschechiens an die Nato und die EU vorangebracht. Seine Rückkehr zu den Ideen und Vorstellungen der 1960er- und frühen 1970er-Jahre prägte Havels letzten Jahre auf der Prager Burg.
Der Journalist Daniel Kaiser zeichnet auf der Basis von Dokumenten und Interviews mit Václav Havel, seinen Weggefährten und seinen politischen Gegnern das innen- und außenpolitische Wirken des Staatspräsidenten kritisch nach.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 22.01.2018
Michael Frank empfiehlt dieses Vaclav-Havel-Buch des tschechischen Journalisten Daniel Kaiser, auch wenn sich seine Besprechung streckenweise wie eine Mängelliste liest: Der Rezensent moniert das schlechte Lektorat, die politische Schlagseite, Fehldeutungen, ermüdende Details und fehlende Einordnungen in den politischen und historischen Hintergrund. Dass Frank das Buch dennoch mit Gewinn gelesen hat, liegt an der kühlen Distanz des Autors zum früheren tschechischen Präsidenten, denn Kaiser ist nach Franks Darstellung ein Parteigänger des Havel-Kontrahenten Vaclav Klaus. Die politische Gegnerschaft sichert dem Autor eine Nüchternheit, die der Rezensent wohltuend findet angesichts all der Verherrlichungen wie auch der Verabscheuungen, denen Vaclav Havel in vergangener Zeit zum Opfer gefallen ist.
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