Redaktionsblog - Im Ententeich - 2009-01

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Iran: Demonstranten verhindern Hinrichtung

Redaktionsblog - Im Ententeich 30.12.2009 Eine geradezu unglaubliche, aber durch ein Video belegte Szene erzählt Mina Ahadi vom Zentralrat der Ex-Muslime auf der Website des Humanistischen Pressedienstes. Demonstranten haben in der iranischen Stadt Sirjan eine Hinrichtung verhindert und die beiden (bereits bewusstlosen) Delinquenten vom Galgen abgeschnitten: "Um neun Uhr bekomme ich dann diese Nachricht: Mina, die Menschen waren sehr entsetzt, von Anfang an gab es eine Demonstration und schließlich haben einige diese Jugendlichen gerettet und mitgenommen. Ich bin überglücklich, denke aber zugleich, das ist nicht wahr, wie haben sie das gemacht? Von Thierry Chervel

Godard Antisemit? Material

Redaktionsblog - Im Ententeich 17.12.2009 Ist Jean-Luc Godard Antisemit?, fragt die FAZ heute. Nun ja, 1977 war er es jedenfalls, wenn man diese Passage aus einem hier dokumentierten Brief an den palästinensischen Lyriker Elias Sanbar liest. Godard denkt über das Foto eines "Muselmanen" nach. So nannte man in den KZ verhungernde Insassen im letzten Stadium. Auf französisch ist das Wort absolut identisch mit dem Wort für "Muslim" - nämlich "musulman". Nach einer dunklen Passage über ein "Urbild des jüdischen Volkes" schreibt Godard: Von Thierry Chervel

Willi Winkler und der Mann der Tat

Redaktionsblog - Im Ententeich 02.12.2009 Dass es linken Antisemitismus gibt, hat sich inzwischen sogar bis in die Linke herumgesprochen. Und doch ist es bis heute bestürzend, wie asymmetrisch die Wahrnehmung der Öffentlichkeit ist. Gerät eine Institution wie die Kirche in Verdacht, dann ist das Rauschen in den Blättern groß: Aber so empörend Benedikts XVI. Abwiegeln ist - wen repräsentieren schon die Piusbrüder? Weit weniger Interesse erregte fast gleichzeitig der postkoloniale Stand-up-Comedian Dieudonné, der vor einem johlenden Massenpublikum den Holocaustleurgner Robert Faurisson mit einem selbstgeschaffenen Pres für political incorrectness auszeichnete. Von Thierry Chervel

Das Zentraleuropäische Forum in Bratislava

Redaktionsblog - Im Ententeich 20.11.2009 Eine solche Liebe dürfte einem ausländischen Staatsmann kaum je entgegenschlagen. Obama vielleicht. Aber der Jubel für Obama wirkt angesichts der Szene im ausverkauften Stadttheater von Bratislava wie kindische Verliebtheit. Denn dies hier ist Liebe, dauerhafte innige Dankbarkeit für einen, der wusste loszulassen. Vaclav Havel verbeugt sich in einer Reihe von Diskussionspartnern und nimmt den stehend dargebrachten Applaus mit Geduld und Bescheidenheit entgegen. Die Diskussion handelte von einem gewissen Gefühl der Ernüchterung nach zwanzig Jahren errungener Demokratie. Der Perlentaucher war eingeladen, weil er mit seiner englischsprachigen Seite signandsight.com immer wieder auch versuchte, europäische Debatten zu lancieren - und dabei in den mittel- und osteuropäischen Ländern auf größere Resonanz stieß als in Deutschland oder Westeuropa. Von Thierry Chervel

Google books paradox

Redaktionsblog - Im Ententeich 15.11.2009 Google wird nach der neuen Version des Google Book Settlement nur noch amerikanische Bücher online verfügbar machen, heißt es (mehr zu den Details des neuen Google Book Settlement bei irights.info). Der ehemalige Direktor der Bibliothèque, Jean-Noël Jeanneney, hatte vor ein paar Jahren die Horrorvorstellung verbreitet, Google Books würde durch Bevorzugung der eigenen Sphäre die amerikanische Hegemonie steigern. Europäische Politiker nickten ernst und versprachen Abhilfe. Nun ist Jeanneneys Horrorvision wahr geworden - durch den Widerstand der Europäer. Von Thierry Chervel

Islam ist nicht Islamismus

Redaktionsblog - Im Ententeich 15.09.2009 Früher hieß es: Die Rechte verteidigt "die Kultur", die Linke kämpft für "die Zivilisation". Die Rechte akzeptiert Ungleichheit als etwas natürlich Gewachsenes. Die Linke kämpft für Universalia wie zum Beispiel auch die Gleichheit der Menschen. Die Rechte befürwortet ein traditionelles Frauenbild, die Linke kämpft für Emanzipation. Aber so ist es nicht, vielleicht war es ja noch nie so: In Wirklichkeit ist sich die Linke mit der Rechten einig. Von Thierry Chervel

Das Gift der Selbstzensur

Redaktionsblog - Im Ententeich 18.08.2009 Die meisten Zeitungen in Deutschland haben das Thema nicht aufgegriffen, dabei ist es fast eine Woche alt. Die New York Times brachte es zuerst, am 12. August. In Deutschland hat dann nicht eine Zeitung, sondern ein Blog, die Achse des Guten, ein informatives Dossier zum Thema zusammengestellt. Die Süddeutsche Zeitung hat am 14. August eine winzige Meldung abgedruckt (die dem Perlentaucher entgangen ist). Der Perlentaucher wurde am 15. durch eine Meldung in der NZZ aufmerksam. Die FAZ brachte an diesem Montag einen kleinen Artikel. In anderen Zeitungen haben wir nichts gefunden - vor allem, mit Ausnahme der FAZ, keinen Kommentar. (Aktualisierung vom 19. August: Jens Balzer griff die Geschichte gestern in der Berliner Zeitung ausführlich auf.) Von Thierry Chervel

Der Ammann Verlag hört auf

Redaktionsblog - Im Ententeich 10.08.2009 Der Ammann Verlag hört auf. In einer brieflich verschickten Pressemitteilung mit dem Datum vom 10. August informiert der Zürcher Verleger Egon Amman, dass sein Verlag seine "publizistische Arbeit" am 30. Juni nächsten Jahres einstellen will. "Für das Frühjahr 2010 bereite ich unser letztes Programm vor" heißt es in dem Schreiben. Als Grund für diesen Entschluss nennt Ammann "das fortgeschrittene Alter der Verleger" und "eine Marktsituation, die für die Literatur zunehmend schwieriger wird". Nach der Edition Urs Engeler kündigt mit Ammann der zweite wichtige Schweizer Verlag sein Ende an. Von Thierry Chervel

Die Schlangenhüften von George Raft

Redaktionsblog - Im Ententeich 28.07.2009 Ich habe gerade Walter Satterwaiths Krimi "Miss Lizzie kehrt zurück" gelesen. Er spielt im New York der Zwanziger und eine Menge "echtes Personal" taucht auf: Lizzie Borden, Mae West, Dorothy Parker und George Raft, der 1932 in "Scarface" den melancholischsten verliebten Gangster spielen würde, den die Welt je gesehen hatte. Gangster sollte er von da an bleiben. Im Buch aber hat er einen Auftritt als Tänzer! Fred Astaire erzählt in seiner Autobiografie, Raft habe den schnellsten Charleston getanzt, den er je gesehen habe. Schnell war Raft 1965 nicht mehr. Aber sonst hatte der Siebzigjährige noch alles: Figur, Timing, Eleganz und Schlangenhüften. Ab Minute 6.42 (Einbetten war leider nicht erlaubt) Von Anja Seeliger

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