9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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2319 Presseschau-Absätze - Seite 2 von 232

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.04.2026 - Medien

Am Ostermontag brachte die "Tagesschau" einen Beitrag aus Teheran, der bei Twitter auf viel Misstrauen und Widerspruch stieß. Das ARD-Team befragte eine Frau, die kein Kopftuch trug und sogar offen, ohne Kopftuch, mit ihrem Hund an der Leine im Park Spazieren ging. Da sie sich besorgt über die amerikanisch-israelischen Angriffe zeigte, wurde vermutet, dass sie regimenah sei. Auf tagesschau.de wehrt sich Natalie Amiri, ehemalige Iran-Korrepondentin der ARD, gegen die Vorwürfe: "Man möchte in einem ungezügelten Moment rausschreien: was sind denn das für Fragen, willkürliche Verdächtigungen und: eine völlige Ahnungslosigkeit über die Bedingungen vor Ort? Plötzlich werden Argumente wie 'Das blaue ARD-Mikro ist nicht im Bild zu sehen' herangezogen, um zu belegen, das Material sei nicht mal von ARD-Mitarbeitern gedreht. Wie oft drehen wir mittlerweile schnell und unauffällig mit dem Handy, je nachdem, wie es die Situation erfordert."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 31.03.2026 - Medien

Das ZDF legt Gästen und Experten seit Kurzem "Mitwirkendenverträge" vor, mit denen diese bestätigen, nicht mit einer Person auf einer nationalen oder internationalen Sanktionsliste zusammenzuarbeiten, schreibt Stefan Niggemeier in der SZ. Dabei geht es auch um die OFAC-Sanktionsliste, auf die Donald Trump die Richter des internationalen Gerichtshof gepackt hat. Rechtswissenschaftler Kilian Wegner "kann das einerseits nachvollziehen: 'Aus Sicht eines Mediums, das auch in den USA operiert, ergibt es durchaus Sinn, mit grobem Pinsel die Einhaltung von OFAC-Sanktionen sicherzustellen, da die extraterritoriale Anwendbarkeit des US-Sanktionsrechts prinzipiell weit reicht und sich im Einzelfall schwer vorhersehen lässt.'" Es sei aber sehr problematisch blind außenpolitischen Vorgaben zu folgen. "Die Vorgaben des ZDF sind so weitreichend formuliert, dass sie allem Anschein nach nicht nur die problematischen US-Listen, sondern sämtliche internationale Sanktions- oder 'Terrorlisten' umfassen, also im Zweifel auch solche etwa von Staaten wie Russland oder China."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.03.2026 - Medien

Alexander Haneke erzählt in einem sehr interessanten Hintergrundartikel für die FAZ, wie Viktor Orbán die ungarischen Medien quasi komplett gleichschaltete - er lenkt das über befreundete Unternehmer und staatliche Anzeigen. Aber alles hat seine zwei Seiten, erläutert der Medienwissenschaftler Gabor Polyák, mit dem Haneke gesprochen hat. Die Staatsmedien sind schlapp und korrupt, weil sie automatisch Geld bekommen. "Auch hier kommt der Innovationszwang den Unabhängigen zugute. Da die klassischen Kanäle blockiert sind, mussten sie sich ins Internet verlagern, was heute eine viel größere Reichweite beschert, da die Algorithmen von Plattformen wie Facebook sehr darauf achten, wie organisch Inhalte geteilt werden. 'Die Regierung hat eine Menge Geld ausgegeben', sagt Polyák, 'aber ohne großen Effekt'. Der Fidesz agiere zu hierarchisch, was in sozialen Netzwerken nicht funktioniere. Trotz Influencern und 'digitalen Bürgerzirkeln' ist die Opposition so weit voraus, dass die Regierung Facebook regelmäßig unterstellt, die Tisza-Partei direkt zu unterstützen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.03.2026 - Medien

Wie darf, kann, muss man im Fall der Vorwürfe, die Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen erhebt (unsere Resümees), berichten? Aus Sicht von Rechtsanwalt Johannes Eisenberg (taz) war die Berichterstattung des Spiegels okay, weil sie einen "Mindestbestand an Beweistatsachen", die er im Artikel aufzählt, lieferte. Der Spiegel sei auch nicht verpflichtet gewesen, "rechthaberische und einschüchternde Behauptungen von Ulmens Anwalt dazuzusetzen, die Sache sei einseitig dargestellt, die Berichterstattung sei presserechtswidrig oder es gelte die Unschuldsvermutung: Die Darstellung bleibt zwangsläufig einseitig, solange keine Stellungnahme vorliegt. Die Rechtsprechung verlangt nicht, dass im Falle der Verdachtsberichterstattung juristische Beurteilungen eines Medienanwaltes mitverbreitet werden. Sie verlangt, dass Äußerungen des Betroffenen zu den Tatsachen, die den Mindestbestand an Beweistatsachen für den Verdacht begründen, mitgeteilt werden. Wenn der sich nicht äußert, muss nicht mehr als auf diesen Umstand hingewiesen werden."

Bei Beck aktuell, dem Blog des juristischen C.H. Beck-Verlags, erinnert der Anwalt Jörn Claßen daran, dass auch für Ulmen derzeit noch die Unschuldsvermutung gilt. Zu einfach sollte man es sich als Medium daher nicht machen: "Nach der Ausgangsberichterstattung fragen sich nun viele Journalistinnen und Journalisten, ob und in welcher Form sie die Verdachtsäußerungen des Spiegel übernehmen dürfen. Befreit zum Beispiel der Zusatz 'Wie der Spiegel berichtet' von der eigenen Haftung? Oder stellt die Wiedergabe der Berichterstattung eines anderen Mediums nicht auch eine zulässige Tatsachenschilderung dar, weil das andere Medium nun einmal tatsächlich berichtet hat und der Vorgang somit in der Welt ist? In beiden Fällen lautet die Antwort: Nein. Denn auch durch die distanzierte Schilderung wird letztlich der Verdacht weiterverbreitet. Er wird, egal in welcher Einkleidung, zwangsläufig immer mittransportiert. Würde man die Weiterverbreitung voraussetzungslos zulassen, dann wäre ein Betroffener nach einer ersten Berichterstattung schutzlos gegen eine ausgelöste Lawine von Folgeberichten."

Auch Rico Bandle rät in der NZZ zur Zurückhaltung. Auch wenn die Lage eindeutig erscheine, müsse man sich an journalistische Grundsätze halten: "Die Tendenz zur medialen Vorverurteilung nahm durch den Weinstein-Skandal 2017 und die daraus entstandene #MeToo-Bewegung rapide zu. Den Machtmissbrauch von Männern zu enttarnen, ist fast schon zu einer eigenen journalistischen Disziplin geworden. Zum Teil sind die Recherchen richtig und wichtig, das zeigen die Fälle von Pelicot bis Epstein. Doch im Eifer werden immer wieder journalistische Grundsätze über Bord geworfen. Dass dabei auch Karrieren Unschuldiger zerstört werden können, wird als Kollateralschaden im Kampf gegen das patriarchale Machtsystem hingenommen."

Weitere Artikel rund ums Thema: In der Zeit berichtet die Schauspielerin Sibel Kekilli, wie schwer es ist, sich gegen Beleidigungen im Netz zu wehren und wie wenig hilfreich Polizei und Justiz dabei sind. Und der Trendforscher Tristan Horx erklärt im Interview mit der Zeit, warum es auch nicht weiterhilft, Männer und Jungs jetzt unter Generalverdacht zu stellen.
Stichwörter: Ulmen, Christian

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.03.2026 - Medien

"Der Kampf gegen den Missbrauch auf der großen digitalen Bühne" muss in die nächste Runde gehen, fordert Andrian Kreye in der SZ. Es gibt schon Initiativen zum Schutz vor der Verbreitung von Deepfakes, gerade in den USA funktionieren diese aber vor allem als "Meldestelle", das heißt, die Opfer müssen Beweise vorlegen. In Europa ist die Lage etwas besser: "In Europa ist die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger das Credo, in den USA ist es die Freiheit. Entsprechend sind die Ansätze. In Europa sollen die Risiken im System erkannt und eingehegt werden. Große Plattformen müssen jedes Jahr eine Risikobewertung vorlegen, sich externen Prüfungen öffnen und dann entsprechend handeln. So können sie gezwungen werden, die Algorithmen ihrer Empfehlungsmodelle zu ändern, Überwachungsmechanismen zu installieren, Jugendschutz zu garantieren und mit den Behörden zusammenarbeiten. Das ist das Präventivmodell."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.03.2026 - Medien

In der NZZ kritisiert Lucien Scherrer mit vielen Beispielen den Automatismus, mit dem Kritik an den Öffentlich-Rechtlichen, wie "Voreingenommenheit und selektive Wahrnehmung", abgeschmettert wird. Erkennt den jemand wieder? "Wer findet, es sei alles in bester Ordnung bei ARD, ZDF, SRG oder BBC, braucht bloß auf 'Angriffe von rechts' zu verweisen. Und schon ist jegliche Kritik an einseitiger Berichterstattung, überbordender Machtfülle und mangelndem Reformwillen delegitimiert. ... Der rhetorische Trick ist unter umgekehrten Vorzeichen aus dem Kalten Krieg bekannt. Kritik an der überdimensionierten Armee konnte in der Wahrnehmung des rechtsbürgerlichen Establishments nur von Kommunisten, langhaarigen Nichtsnutzen und Landesverrätern kommen. Und was Linke falsch fanden, konnte nur richtig sein. Deren Aufforderung, die Armee zu verkleinern, war für die tonangebenden Kreise eher ein Argument, sie zu vergrößern. Aber sicher kein Anlass, sich ernsthaft mit Kritik auseinanderzusetzen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.03.2026 - Medien

In Ungarn laufen soziale Medien und Podcast-Formate Orbans regierungstreuen Kanälen den Rang ab, berichtet Meret Baumann in der NZZ. Zum Beispiel der Youtube-Kanal Partizan: "Mit knapp 620 000 Abonnenten auf Youtube und 300 000 Followern auf Facebook ist der Internetsender eine der einflussreichsten Nachrichtenplattformen Ungarns geworden. 'Für die politische Berichterstattung spielen die klassischen Fernsehsender keine große Rolle mehr', meint der Gründer Marton Gulyas. Wer sich dafür interessiere, komme nicht mehr an Youtube vorbei." Orbans "Medienmacht wirkt vor diesem Hintergrund wie ein Relikt aus der Vergangenheit - was sein Team auch erkannt hat. Es initiierte vor einem Jahr 'Digitale Bürgerkreise', deren Mitglieder den Ministerpräsidenten auf Social Media unterstützen sollen. Und plötzlich gibt auch Orban konservativen Podcastern lange Interviews, um jüngere Wähler anzusprechen. Auch diese werden hunderttausendfach angeschaut."
Stichwörter: Orban, Viktor, Ungarn

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.03.2026 - Medien

Der Springer-Chef Mathias Döpfner möchte sich als der absolute Verteidiger der Meinungsfreiheit inszenieren, so Sonja Zekri in der SZ. Er diskutierte mit dem Verleger der Berliner Zeitung Holger Friedrich oder öffnete Elon Musk seine Zeitungen für einen AfD-Wahlaufruf. "Verluste nimmt Döpfner dafür in Kauf. Der Musk-Text beispielsweise kostete die Welt einige Redakteure." In der Welt am Sonntag durfte außerdem Viktor Orban darlegen, warum er nicht möchte, dass die EU sich zu sehr bei der Unterstützung der Ukraine verausgabt - erstklassige Kreml-Propaganda, findet Zekri. "Falls Mathias Döpfner diesen Weg dennoch weiter beschreiten möchte, deutet eigentlich alles auf eine Kolumne von Wladimir Putin hin. Da wäre mal was los im Meinungskorridor."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.03.2026 - Medien

Trotz mancher Skandale und KI-gestützter politischer Berichterstattung im "Heute Journal" ist ZDF-Intendant Norbert Himmler ohne Gegenkandidat und ohne ein Kratzerchen wiedergewählt worden - und wird am Ende auf eine Amtszeit kommen, die an die alten Regimes hinter der Mauer erinnert. Für Welt-Autor Andreas Rosenfelder hat vor allem der Fernsehrat seine Arbeit nicht geleistet: "Der sechzigköpfige Fernsehrat, der als 'Anwalt des Publikums' eigentlich eine Kontrollfunktion ausüben müsste, ist faktisch eine Ständevertretung des politischen Beamtenapparats und der durchpolitisierten Verbands- und NGO-Landschaft. Da sitzen Regierungssprecherinnen und Staatsräte, BUND und NABU, Gewerkschafts- und Kirchenvertreter: ein eng verflochtenes und zum Teil auch verfilztes System von Institutionen, die alle möglichen Interessen repräsentieren mögen, aber sicher nicht jene der gebührenzahlenden Bevölkerung. Dass die öffentlich-rechtlichen Medien das Vertrauen weiter Teile dieser Bevölkerung längst verloren haben, dürfte dort kein Publikumsanwalt zur Sprache bringen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.03.2026 - Medien

Vor 15 Jahren ereignete sich in Japan ein Erdbeben, bei dem 19.000 Menschen ums Leben kamen. Japan gedenkt in diesen Tagen des Erdbebens. Bei diesem Erdbeben havarierte bekanntlich auch das Atomkraftwerk von Fukushima, bedauerlich genug, aber nur deutsche Medien schreiben wie hier der Bayerische Rundfunk dem Atomunfall die Toten des Erdbebens zu.

Meldung des Bayerischen Rundfunks vom 11. März.
Stichwörter: Fukushima