Julian Barnes: Abschied(e)Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte…
In einem buchgeschichtlichen Klassiker, im längst vergriffenen Buch von Walter Krieg "Materialien zu einer Entwicklungsgeschichte des Autorenhonorars und der Bücherpreise" aus dem Jahre 1953 stieß ich auf einen hochinteressanten Hinweis. Zunächst führt der Autor eine Reihe von überlieferten Preisen für frühe Drucke an. Woher er die kennt? Auf der letzten Seite zum Beispiel eines Exemplars des Sentenzenkommentars von Duns Scotus in der Pariser Bibliothèque Nationale findet sich folgender Vermerk : "Ich, Peter Schoeffer, Buchdrucker in Mainz, bekenne, von dem ehrwürdigen Herrn Johann Henrici, Cantor in Paris drei Taler als Preis dieses Buches erhalten zu haben, was ich eigenhändig bekräftige." Das hilft schon mal. Aber hilft es weiter? Wie gut, dass auch überliefert ist, dass für eine Ausgabe von Reuchlins Vocabularius 2 Gulden 80 gezahlt wurden. Auf Klosterneuburg haben sich nämlich Rechnungsbücher erhalten, so dass man leicht feststellen kann, was man für 2 Gulden 80 sonst noch kaufen konnte. Naja, so leicht ist denn doch nicht, denn, so klärt uns Krieg auf, ist "die Geschichte der niederösterreichischen Getreidemaße bis hinein ins 16. Jahrhundert in vollständiges Dunkel gehüllt." Ein Kilo ist nicht immer ein Kilo und ein Pfund ist beileibe nicht immer ein halbes Kilo. Sieht man über diese Unwägbarkeiten hinweg, kommt man zu dem Ergebnis, dass der Reuchlin-Band 40 Hühner oder 20 Gänse wert war. 392 Kilo Salz oder 300 Heringe. Aber die Buchhändler wollten nur Bares. Das war rar.