
Wie wirken sich die
Kürzungen der Trump-Regierung im Bereich
Entwicklungshilfe vor Ort aus? Um diese Frage zu beantworten,
besucht Mara Kardas-Nelson eines der betroffenen Länder, nämlich
Sierra Leone. Dort wird das Gebaren Trumps, erfahren wir, keineswegs als eine Ausnahmesituation erfahren; sondern eher als
business as usual. "Im Gespräch mit Freunden und Kollegen war das Gefühl, dem ich am öftesten begegnete, nicht Panik, sondern Resignation. Alle Sierra-Leoner, mit denen ich sprach - von Mangoverkäufern und Elektrikern bis hin zu Menschen im Gesundheitswesen und hochrangigen Politikern - äußerten Angst und Unsicherheit über die Kürzungen. Doch sie beschrieben diese Situation als
etwas Normales, ja sogar Erwartbares. Die möglichen Katastrophen - ein Mangel an HIV-Medikamenten oder Impfstoffen - wurden mit einem gleichgültigen 'Was soll man schon erwarten?'-Schulterzucken abgetan. Ein Fahrer einer NGO, mit dem ich sprach und der für eine amerikanische Organisation arbeitete, hatte seinen Job verloren, als die Kürzungen im Januar 2025 erstmals bekannt gegeben worden waren, und ihn im April wiederbekommen, als einige Mittel wieder zu fließen begannen. Diese Art von
Stop-
and-
Go-
Hilfe überraschte ihn nicht. Er war 2014 zum ersten Mal Fahrer für eine NGO geworden, als in Westafrika der bisher größte Ebola-Ausbruch der Welt wütete. Hunderte Millionen Dollar wurden damals von ausländischen Geldgebern zugesagt, um das Virus zu stoppen, ausländische NGOs stellten massenhaft Personal ein. In den Jahren danach hatte er erlebt, wie viele seiner Kollegen entlassen wurden, als die Gelder versiegten und NGOs ihre Arbeit einschränkten oder ganz einstellten. Warum sollte er diesmal etwas anderes erwarten? Mustapha Kabba, stellvertretender Chefmediziner im Gesundheitsministerium von Sierra Leone, sagte mir, er könne sich über die Kürzungen gar nicht allzu viele Sorgen machen, weil er gar nicht genau wisse, wie viel Geld die US-Regierung Sierra Leone tatsächlich zukommen lasse: Die
Finanzierung sei so undurchsichtig, fließe durch so viele verschiedene NGOs, jede mit eigenem Budget, Zeitplan und Prioritäten, dass er
kein klares Gesamtbild habe, was betroffen sei - und somit auch nicht, welche Lücken er füllen müsse."