Nikolaus Bernau widmet sich im TagesspiegelJames Hobrecht, einem Stadtplaner, der das Berliner Stadtbild der Moderne maßgeblich mitgeprägt hat und dieser Tage 200 Jahre alt wird. Hobrecht war zwar in erster Linie an technisch-funktionalen Fragen rund um Feuersicherheit, Abwasser und Ähnlichem interessiert, sein Wirken hat jedoch auch eine soziale Dimension: "Hobrecht entwickelte ein Ideal des Zusammenlebens nach Pariser Vorbild: In den unteren Geschossen des Vorderhauses sollten die wohlhabenderen Bürger wohnen, darüber Facharbeiter und Handwerker, unter dem Dach die Dienstboten, in den Hinterhäusern die Fabrikarbeiter: Durch diese Nähe der sozialen Schichten, so glaubte er, ließe sich der Revolution vorbeugen. Deswegen wandte sich Hobrecht auch konsequent gegen die Aufteilung der Stadt nach sozialen Gruppen und die Reihen- und Kleinhäuser: 'Nicht 'Abschließung', sondern 'Durchdringung' scheint mir aus sittlichen und darum aus staatlichen Rücksichten das Gebotene zu sein'. Mischung, das Stichwort eines liberalen Städtebaus unserer Zeit, hatte auch für ihn positiven Wert." (Mehr über Hobrecht beim RBB.)
Wolfgang Jean Stock berichtet in der FAZ von einem "Architekturwunder in der Oberpfalz". Die einst strukturschwache Region ist - auch außerhalb von Regensburg - baulich zu neuem Leben erwacht. Zu den wichtigsten jungen Architekten der Region zählt Karlheinz Beer, der vor allem dank seiner Arbeit mit Bestandsbauten von sich reden macht: "In seiner Heimatstadt Weiden hat er Genossenschaftswohnungen saniert, modernisiert und energetisch ertüchtigt. Die städtebaulich bedeutsame Wohnanlage namens Schweigerblock in Zentrumsnähe, bis 1928 vom damaligen Stadtbaumeister errichtet, war auch deshalb mit Feingefühl zu erneuern, weil sie - zunächst zum Abriss vorgesehen - unter Denkmalschutz steht. Eine Besichtigung führt die hohen Qualitäten des aufgefrischten Altbaus vor Augen: großzügige Grundrisse, gut belichtete Küchen und Wohnzimmer, stattliche Raumhöhen. Vermietet werden die Wohnungen zu Preisen, von denen man insbesondere in München nur träumen kann."
Außerdem: Andreas Rossmann bespricht in der FAZ ein Buch über Kölner Sakralbauten. Nikolaus Bernau hat im Tagesspiegel einen Weihnachtsgeschenktipp für Kurzentschlossene: Architekturbücher.
"Das Wohnen ist zur brisantesten sozialen Frage der Gegenwart geworden", hält Gerhard Matzig in der SZ mit Blick auf die eklatante Wohnungsnot in Deutschland fest. Da hilft kein "Bauturbo", sondern Entbürokratisierung, mehr Infrastruktur auf dem Land und Umnutzung in der Stadt: "Hier ließe sich der Wohnraum auch dort einrichten, ohne Neubau, wo es ohnehin Leerstand gibt: etwa in überflüssigen Bürobauten. Oder anstelle sinnarm gewordener Parkhäuser. Diese und andere in sich verändernden Innenstädten obsolet werdenden Bauten, Kaufhäuser zum Beispiel, könnten wieder dem Wohnen dienen. Wie früher. Städte waren einmal grundsätzlich bewohnbare Strukturen. Allein durch Nachverdichtungen infolge von Dachaufstockungen und Dachumnutzungen könnten bis zu 2,7 Millionen zusätzliche Wohnungen entstehen. Das ist eine Berechnung der TU Darmstadt."
Ungenutzte Büros gibt es in Deutschland tatsächlich reichlich, weiß Marcus Rohwetter auf den Wirtschaftsseiten der Zeit: "In ganz Deutschland sind sogar elf Millionen Quadratmeter verwaist, schätzt die Bundesregierung. Die Fläche entspricht der von 120.000 Wohnungen durchschnittlicher Größe. Und das wiederum macht die Sache interessant: Wände, Decken, Dächer und Treppenhäuser haben die Bürogebäude ja schon. Man müsste sie nur umbauen." Im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen wagt nun ausgerechnet Aldi einen Versuch in einem leerstehenden Büro der Deutschen Bahn - und trifft dabei nicht nur auf technische Probleme, sondern auch auf baurechtliche, denn "nicht überall, wo Gewerbe erlaubt ist, ist auch Wohnen erlaubt. Deswegen eigneten sich allenfalls 30 Prozent der Büros für einen Umbau, das haben 2024 das ifo Institut und die auf Immobilien spezialisierte Beratungsfirma Colliers berechnet. Von der verbleibenden Menge wiederum sei 'nur ein geringer Teil auch wirtschaftlich' umzuwandeln."
Die Lobby von Sotheby's im ehemaligen Gebäude des Whitney Museums in New York. Foto: Herzog & de Meuron. "Ein architektonisches Juwel des 20. Jahrhunderts erstrahlt in neuem Glanz", freut sich NZZ-Kritiker Hubertus Adam über den Umbau des ehemaligen Whitney Museums in New York durch das Schweizer Architekturbüro "Herzog & de Meuron". Der Bau des ungarischen Architekten Marcel Breuer aus dem Jahr 1966, der nun vom Aktionshaus Sotheby's genutzt wird, ist eine Ikone der Architekturgeschichte, erinnert der Kritiker. Die Schweizer treten "diskret hinter Breuer zurück". "Filigrane Vitrinen für Kleinobjekte im Erdgeschoss ruhen reversibel auf bisherigen Bänken und Tresen. Helle, kleinere Galerieräume sind rückwärtig im Eingangsgeschoss und anstelle früherer Büroräumlichkeiten im mit mehr als fünf Metern Raumhöhe eindrucksvollen dritten Obergeschoss entstanden. Verspiegelte VIP-Logen darüber ermöglichen es Bietern, die unerkannt bleiben wollen, vor Ort an den Auktionen teilzunehmen."
Dionisio Gonzalez, Wittgenstein's Cabinet 10, 2021, Courtesy Taubert Contemporary Berlin. Foto: Dionisio Gonzalez, Sevilla. FAZ-Kritikerin Andrea Gnam schaut sich interessiert in der Ausstellung "Archistories. Architektur in der Kunst" in der Orangerie Karlsruhe um: "Auf direktem Weg gehen wir auf eine groß angelegte Videoinstallation von Julia Oschatz zu. Auf der einen Hälfte einer Wand sehen wir ein Raumraster, mit dickem weißem Strich auf schwarzem Grund aufgetragen, der Blick fällt in einen leeren, geometrisch konstruierten Innenraum, auf der anderen Hälfte läuft ein Video im Loop. Es zeigt fast den gleichen Raum, hier aber ist das Bodenraster des Innenraums zum sanft vibrierenden Boden einer Bühne geworden, in der die maskierte Künstlerin selbst in slapstickhafter Sisyphusarbeit die Wände bemalt und dabei unentwegt von einem Raumgehäuse ins nächste steigt."
Gerhard Matzig kann sich in der SZ nach seinem Besuch des Terminal 3 am Frankfurter Flughafen, der im kommenden April eröffnen wird, nur wundern: Der Bau wird fristgerecht fertig, die Kosten sind nicht explodiert - und die von Christoph Mäcklerentworfene Architektur überzeugt auch ästhetisch: "Im Zusammenspiel mit den warmen Natursteintönen und einer klugen Lichtregie ist in Frankfurt trotz überlanger Wege etwas Denkwürdiges entstanden: ein Flughafen als Lebensraum. Die Aufenthaltsqualität ist hoch, dabei aber funktional. Zur Erinnerung an Mies kommt in der Gepäckhalle ein zweites Zitat: Die ausladenden, gestisch wirksamen Stützköpfe lassen an Frank Lloyd Wrights berühmtes Johnson-Wax-Hauptquartier in Wisconsin denken. Mäckler wird oft als Traditionalist bezeichnet, aber das Terminal steht eher im Dienst einer traditionalistischen Moderne. Mäckler geht es um human erdachte Räume. Man soll sich darin wohlfühlen."
Zayed National Museum. Foto: Foster + Partners. 17 Jahre nach Baubeginn öffnet das von Norman Foster geplante Zayed National Museum in Abu Dhabi seine Pforten, ein weiteres Prestigeobjekt, das in der absolutistisch beherrschten Monarchie Offenheit nach außen signalisieren soll, hält Ursula Scheer in der FAZ fest. Entziehen kann sie sich dem Glanz des Gebäudes allerdings nicht: "Fünf monumentale Flügel aus Stahl ragen diagonal aus dem breit darunter lagernden dreigeschossigen Museumsgebäude. Inspiriert ist die Form der Aufbauten, die Assoziationen an das Jørn-Utzon-Opernhaus in Sydney wecken können, von den Schwingen eines Falken im Flug: Als Wappentier und traditioneller Jagdgefährte steht er für Mut, Freiheit und Stärke. Der Raubvogel symbolisiert das kulturelle Erbe ebenso wie den atemberaubenden Aufschwung der Golfregion, in der noch vor wenigen Generationen Beduinen vom Handel (und Raub) lebten und die Menschen an der Küste fischten und nach Perlen tauchten."
Der Architekt Frank Gehry ist am Freitag im Alter von 96 Jahren gestorben. Marcus Woeller erinnert in der Welt an seinen wohl legendärsten Entwurf, das Guggenheim in Bilbao, ein Museumsbau, der vorher nie gesehene Formen möglich machte: "130 Meter lang, 30 Meter breit, kein Anfang, kein Ende. Schiefe Wände, gebogene Fassaden, eine Dachlandschaft wie eine frittierte Artischocke, ein appetitlich servierter Salat aus Titanblech, effektvoll glänzend, aber auch effekthascherisch ans Ufer des Nervión gepflanzt, ungeheuer fotogen - 'instagrammable', noch bevor jemand wusste, was Instagram ist. Der zum geflügelten Wort gewordene 'Bilbao-Effekt' war diesem Spektakel zu verdanken. Die Baukosten des Museums von rund 133 Millionen Dollar sollen innerhalb weniger Jahre durch Steuereffekte wieder eingespielt worden sein."
Bernhard Schulz würdigt für Monopol ein "Genie", das weit über die Architektur hinaus berühmt wurde: "Frank Gehry wurde zum Superstar. Städte überall wollten ein Bauwerk von ihm haben, mit den geknickten, verdrehten, geradezu splitternden Räumen und Fassaden, die sein Markenzeichen wurden. Dekonstruktivismus als Begriff wurde geradezu für ihn erfunden. Und tatsächlich kam ihm darin kein Kollege nahe; allenfalls Zaha Hadid konnte sich mit einer eigenen, gleichfalls dem Computer entlockten Formensprache als ähnlich Gesinnte behaupten."
Die Zeithat eine Bildergalerie mit Gehrys beeindruckendsten Gebäuden parat.
Der kanadisch-amerikanische Stararchitekt Frank Gehry ist im Alter von 96 Jahren nach einer Atemwegserkrankung gestorben, meldet unter anderem der Tagesspiegel. Der Pritzkerpreisträger zeichnet unter anderem verantwortlich für den Neuen Zollhof in Düsseldorf, das Vitra Design Museum in Weil am Rhein, das Guggenheim-Museum in Bilbao oder die Stiftung Louis Vuitton in Paris.
Für die FAZ besucht Hannes Hintermeier den Architekten Florian Nagler, der mit mittlerweile fünf Forschungshäusern in Bad Aibling untersucht, wie einfaches, nachhaltiges Bauen funktioniert: "Die dreigeschossigen Forschungshäuser 1 bis 3, in der Form zum Verwechseln ähnlich, spielen verschiedene Baumaterialien durch - Dämmbeton, Ziegel, Massivholzbauweise. Flaches Satteldach, je Haus acht Wohnungen, alle bewohnt. Oberstes Ziel der Planung war eine möglichst reduzierte Komplexität. Dazu tragen unter anderem einschichtige Wand- und Deckenkonstruktionen, Fenster ohne Sonnenschutz, Nutzerlüftung, Verzicht auf Sonderausstattung bei. Alle Häuser haben eine 30 Zentimeter dicke Stahlbetondecke, für den Schallschutz sorgt ein Teppichboden. Dazu dreifach verglaste Lärchenholzfenster, simple Heizkörper und Fensterfalzlüfter für den Mindestluftwechsel."
Besprochen wird die Charlotte-Perriand-Ausstellung "L'art d'habiter/Die Kunst des Wohnens" in den Kunstmuseen Krefeld (FAS).