Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Architektur

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 04.12.2025 - Architektur

Endlich erhält die Designerin und Architektin Charlotte Perriand eine große Retrospektive in Deutschland, freut sich Hubert Spiegel in der FAZ nach dem Besuch in der Ausstellung "L'art d'habiter/Die Kunst des Wohnens" in den Kunstmuseen Krefeld. Nicht nur ihre ikonischen Stahlmöbel sind zu bewundern, sondern auch ihre frühen modularen Möbelsysteme: Sie "begreift Küche und Bad nicht länger als separierte Funktionsräume, sondern integriert sie in ihr ästhetisches Gesamtkonzept. Für die antifaschistische Zeitschrift Vendredi schreibt sie eine Kolumne mit dem Titel 'Die Hausfrau und ihr Heim' und entwirft mit der 'Cellule', der Wohnzelle, eine Minimalbehausung, die statt auf Verzicht auf Effizienz setzt, Lebensqualität anstrebt und dank ihrer Variabilität als Notunterkunft, Studentenwohnung oder Ferienapartment konzipiert werden kann."

Ebenfalls für die FAZ schaut Ulf Meyer im Berliner Bötzow Areal vorbei, das einst Deutschlands größte Brauerei beherbergte und das derzeit von David Chipperfield umgestaltet wird. Meyer scheint bisher zufrieden zu sein: "Chipperfields mausgraue Sichtbeton-Bauten wirken bereits wie aus einer anderen Zeit. Wo einst der König der Brauereidynastie Bötzow in seiner Villa wohnte, soll noch ein Gebäude für 'gewerbliches Wohnen' gebaut werden, dieses Mal aus Holz. Aber die auskragenden Geschossplatten der Neubauten aus Beton betonen laut Chipperfield den Charakter der Industriearchitektur. Durch ihre außen liegenden, bogenartigen Tragwerke haben die Interieurs keine Stützen. Die auskragenden Deckenplatten sollen wie Brise-soleil-Elemente wirken. Nur im Penthouse ist der Umlauf zugänglich. Dass dieses Exoskelett thermisch nicht vom Gebäude getrennt ist, gleicht einer Sensation."

Besprochen wird außerdem die Ausstellung "Baustelle Transformation. Zehn Strategien für Stadt und Land" im D A Z - Deutsches Architektur Zentrum Berlin (taz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 03.12.2025 - Architektur

Marco Frei fragt sich in der NZZ, was eigentlich in München falsch läuft: Die Philharmonie am Gasteig ist zwecks Generalsanierung seit 2021 geschlossen, mit den Bauarbeiten wurde nicht mal begonnen. Über einen neuen Konzertsaal wird seit Jahrzehnten diskutiert, und auch die Bayerische Staatsoper soll zwar ab Mitte der 2030er Jahre generalsaniert werden, nur: "Bis dahin konnte jetzt nicht mehr gewartet werden. So musste zwischen der vergangenen und der jetzigen Spielzeit bereits teilsaniert werden. Die Planung dafür verlangte von dem Haus eine logistische Meisterleistung. Die Sommerpause im Münchner Spielbetrieb musste verlängert werden, in der Zwischenzeit tourte die Staatsoper durch China und trat in Barcelona auf."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.12.2025 - Architektur

Die Initiative Offene Mitte, die sich seit Jahren für die Schaffung von preisgünstigem Wohnraum am Molkenmarkt einsetzt, kritisiert die Ergebnisse des Architekturwettbewerbs für die ersten Bauvorhaben, die Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeldt am 13. November vorgestellt hatte, aufgrund der hohen Kosten, meldet Uwe Rada in der taz.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 28.11.2025 - Architektur

In der FAZ freut sich Bernhard Schulz über die Berufung von Wang Shu und Lu Wenyu zu künstlerischen Leitern der im Jahr 2027 stattfindenden nächsten Architekturbiennale von Venedig, denn: "die Auswahl des chinesischen Architektenpaares, der Begründer des in schöner Untertreibung 'Amateur Architecture Studio' genannten Büros, hebt das Innerste der Profession, die Baukunst, ins Licht der Öffentlichkeit, das in Venedig noch immer so hell strahlt wie an keinem zweiten Ort."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 27.11.2025 - Architektur

Übergangsunterkunft für Obdachlose in Sarrià-Sant Gervasi, Barcelona. Foto: Vivas Arquitectos. 

Wohnungen fehlen überall und die Zahl derer, die tatsächlich auf der Straße leben müssen, wird immer höher: Klaus Englert widmet sich in der FAZ dem Bau von zwei Obdachlosenunterkünften in Barcelona und München. Das Büro Vivas Arquitectos hat im wohlhabendsten Viertel von Barcelona eine überraschend schöne Übergangsunterkunft errichtet, lesen wir: "Das Erscheinungsbild überrascht, weil man hier die üblichen Standards vergleichbarer Sozialzentren weit übertroffen hat. Neben die massiven Instituts-Turmbauten aus der Belle Epoque setzten Vivas Arquitectos einen Riegel mit glänzender Fassade aus gewelltem Aluminiumblech. Dabei kamen für den knapp 5,1 Millionen Euro teuren Bau keineswegs die preiswertesten Baumaterialien zum Einsatz. Für die Konstruktion wählten sie CLT-Brettsperrholz, das hohe Festigkeit und Stabilität, hervorragende Brandschutz- und Wärmedämmeigenschaften sowie eine schnelle Bauweise gewährleistet." 

Weitere Artikel: In der taz blickt David Kasparek auf Architektur für Flüchtlings-Unterkünfte und damit verbundene soziale Projekte. In der SZ bewundert Boris Herrmann das Studio Museum im New Yorker Stadtteil Harlem (mehr hier).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 26.11.2025 - Architektur

Während die bildende Künstlerinnen zunehmend wiederentdeckt werden, hört man von Architektinnen noch wenig. Nach wie vor gilt die Architektur als eine der "frauenfeindlichsten Branchen", weiß Hannah Jane Parkinson im Guardian. "Eklatante Formen von Sexismus" drängen Frauen aus dem Beruf, entnimmt sie dem jüngsten Bericht des Royal Institute of British Architects (RIBA) - in Folge werden Gebäude vor allem für Männer errichtet. Dabei gibt es großartige Architektinnen: "Da ist Kazuyo Sejima mit ihren selbstbewussten, aber wandelbaren Bauten, die die Stimmungen ihrer natürlichen Umgebung widerspiegeln: Aluminium glänzt in der hellen Sonne und schimmert im Regen; die durchdachte 'reflektierende Wolke' ihres Pavillons der Serpentine Gallery von 2009 (zusammen mit Ryue Nishizawa) fügt sich nahtlos in den Hyde Park ein. Mariam Issoufou, eine in Niger geborene Architektin, arbeitet mit nachhaltigen, lokalen Materialien und Ressourcen - Lehmziegeln, Gummibaumholz, Palmblättern - um in ihrem Heimatland und anderswo ansprechende Bibliotheken und Wohnsiedlungen zu schaffen."

Weitere Artikel: Im Tagesspiegel berichtet Birgit Rieger von Ärger um den Neubau am Haus am Lützowplatz in Tiergarten: Der Bauantrag ist genehmigt, der zuständige Architekt Edgar Döwe vermutet aber, gegen das Projekt könne "eine Art Putsch" im Gange sein.
Stichwörter: Architektinnen

Efeu - Die Kulturrundschau vom 25.11.2025 - Architektur

Entwurf für die Neugestaltung der Turmruine der Berliner Gedächtniskirche. Foto: heneghan peng architects. 

Falk Jaeger ist in der FAZ restlos überzeugt vom Entwurf der heneghan peng architects aus Dublin zur Sanierung der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin. Elf Millionen stehen für die Sanierung und eine Neukonzeption der Gedenkhalle zur Verfügung: "Der 'hohle Zahn', wie der Volksmund den Turm mit dem schräg abgebrochenen Turmhelm tituliert hatte, bekommt keine Füllung. Vielmehr werden ein nach dem Krieg aus statischen Gründen eingezogener Zwischenboden und der Dachdeckel geöffnet, sodass man aus der Ebene +1 in den Himmel sehen kann." Mit einem "gläsernen Aufzug" kann man dann auf die zweite Ebenen in 21 Metern Höhe fahren, erklärt Jaeger. "Von dort aus führen Treppenläufe bis über den Glockenstuhl ins oberste Turmgeschoss mit Panoramablick. Doch es geht noch weiter, denn über eine Wendeltreppe, öffentlich zugänglich nur mit Führung und Extraticket, erreicht man die Ebene +5 auf 60 Meter Höhe im Inneren des oben offenen Turmhelmrelikts. Diese Ebene hatten heneghan peng als einziges Team im Wettbewerb öffentlich zugänglich gemacht, wohl in der berechtigten Annahme, dass der Höhepunkt zur Publikumsattraktion in der City West werden wird."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.11.2025 - Architektur

Für den Aufmacher des FAZ-Feuilletons reist Hannes Hintermeier nach Traunstein, wo die Architektin Anna Heringer gemeinsam mit den Architekten Hans und Johannes Romstätter für rund 20 Millionen Euro den ersten freitragenden Lehmbau Deutschlands verwirklicht hat. Hintermeier gefällt's: "Der Lehmbau steht im Zentrum des 44.000 Quadratmeter großen Campus-Geländes südwestlich der Altstadt, dessen Bestandsbauten dem orthogonalen Muster folgen. Lang gestreckte, rechteckige Baukörper umgeben nun ein zweigeschossiges Gebäude, das sich ungeniert in ihrer Mitte niedergelassen hat - mit Ecken, Kanten und Zacken, zwei Innenhöfen und einem Dachgarten, der über eine pyramidenförmig zulaufende, steile Außentreppe erreichbar ist. (...)  Die Lehmwände verströmen, innen wie außen, eine einnehmende Wärme."

Und wieder einmal wurde die Inbetriebnahme von Stuttgart 21 verschoben, stöhnt Gerhard Matzig in der SZ, freilich nicht besonders verwundert: "Man kennt Planer, Architektinnen und Ingenieure, die in München, Stuttgart, Berlin und anderswo für die Bahn arbeiten. Wenn sie von der 'Planungskultur' der Bahn hinter vorgehaltener Hand erzählen, wirken sie, als würden sie gleich in Tränen ausbrechen. Für die Bahn zu bauen, die das ohnehin baubürokratisch übermotiviert veranlagte Land in einsame Höhen der eisenbahnplanerischen Delirien bugsiert: Das ist der direkte Weg zu Gleis neundreiviertel. Ein anderes Wort für Planungsexpertise bei der Bahn? Fantasy."

Weitere Artikel: Werner Huber schwärmt in der NZZ von der Sanierung des Neubaus, den die Zürcher Architekten Gebrüder Pfister 1928 für die Kantonsschule in Winterthur errichteten.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.11.2025 - Architektur

Nach acht Jahren Bauzeit wird das 1968 als zentraler Ort für schwarze Kunst gegründete Studio Museum Harlem an neuem Ort wiedereröffnet - und Andreas Robertz (Monopol) ist hingerissen, erscheint das neue Studiomuseum mit Blick auf die revanchistische Kulturpolitik unter Donald Trump doch wie ein "Bollwerk der Hoffnung". Und auch "die Architektur kann nicht übersehen werden. Ein anthrazitfarbener Block aus übereinandergestapelten horizontalen und vertikalen Quadern - der minimalistische, sieben Stockwerke hohe Bau strahlt vor allem eines aus: Selbstbewusstsein. Eine grün-schwarz-rote US-Fahne des Konzeptkünstlers David Hammons weht am Eingang, eine Anspielung auf die panafrikanische Flagge der Schwarzen Nationalisten um Marcus Garvey der 1920er-Jahre." In der FAZ räumt Frauke Steffens ein, dass sich nicht alle Anwohner über den neuen Prachtbau freuen, denn die "'Gentrifizierung' von Harlem ist in vollem Gange, in manchen Ecken wohnen fast nur noch Menschen mit hohem Einkommen, und viele Weiße ziehen her..."

Die Euphorie über die geplante neue Oper in Hamburg wird gedämpft, berichtet Gernot Knödler in der taz Nord, bemerkte man doch jetzt, dass der Entwurf der Bjarke Ingels Group jenem ähnelt, den sie vergangenes Jahr für die Philharmonie in Prag vorgestellt hatten: "Ein Kern von zu einem Hügel gestapelten Funktionsräumen wird mit gläsernen Fassaden umgeben und von einer Spirale weit auskragender, begehbarer Dächer umspielt. Allerdings wirkt der Entwurf für Prag weniger organisch, weniger verspielt, dafür urbaner." Knödler wendet gegen denn Neubau auch ein, "dass die heutige Staatsoper in der Nähe des Gänsemarkts als ältestes von Bürgern gegründetes Opernhaus des Kontinents eine große Tradition hat und das aktuelle Gebäude unter Denkmalschutz steht. Die Stadt müsste es also eigentlich erhalten."

Weitere Artikel: Matthias Alexander atmet in der FAZ auf, dass nun zumindest der Architektenwettbewerb für die ersten drei Baufelder des sogenannten Block B am Berliner Molkenmarkt entschieden worden ist.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.11.2025 - Architektur

Das norwegische Büro Snøhetta hatte den Architekturwettbewerb für den Neubau der Düsseldorfer Oper gewonnen (unser Resümee), nun wurde die Zukunft der Oper in Düsseldorf vor Publikum diskutiert und Kjetil Trædal Thorsen, Mitbegründer des Büros, erklärte, was den Bau der Oper so schwierig macht, resümiert Hubert Spiegel in der FAZ: "Während ähnliche Projekte meistens als freistehende Solitäre konzipiert würden, müsse am Wehrhahn auf einem relativ kleinen Areal ein Gebäude entstehen, das auf etwa 38.000 Quadratmetern verschiedene Nutzungsmöglichkeiten erlaubt, nachhaltig und flexibel ist und positive Impulse für ein ganzes Stadtviertel entwickelt."

Ob Snøhetta auch bauen darf, ist allerdings noch nicht klar, berichtet Alexander Menden in der SZ: "Als Nächstes wird die Stadt mit allen vier Siegern in Verhandlungen über das wirtschaftlichste Angebot eintreten. Denn die beiden größten Fraktionen im Düsseldorfer Stadtrat, CDU und Grüne, haben einen Kostendeckel von einer Milliarde Euro vereinbart (2021 war noch von 750 Millionen die Rede). Das klingt nach einer sehr stolzen Summe. Doch die Erfahrungen des südlichen Regionalrivalen Köln, wo die Kosten für eine Sanierung der Bestandsbauten von Oper und Schauspiel explodierten und mittlerweile bei anderthalb Milliarden liegen, dienen als mahnendes Beispiel dafür, wie rasch solche Planungen aus dem Ruder laufen können."
Stichwörter: Snohetta, Oper Düsseldorf