Klappentext

Die Krise hält uns in Atem und erzeugt zugleich ein diffuses Gefühl der Ratlosigkeit. Wolfgang Streeck legt in seiner Frankfurter Adorno-Vorlesung die Wurzeln der gegenwärtigen Finanz-, Fiskal- und Wirtschaftskrise frei, indem er sie als Moment der langen neoliberalen Transformation des Nachkriegskapitalismus beschreibt, die bereits in den 1970er Jahren begann. Im Anschluss an die Krisentheorien der damaligen Zeit analysiert er, wie sich die Spannung zwischen Demokratie und Kapitalismus über vier Jahrzehnte entfaltet hat und welche Konflikte daraus zwischen Staaten, Regierungen, Wählern und Kapitalinteressen resultierten. Schließlich beleuchtet er den Umbau des europäischen Staatensystems vom Steuer- über den Schulden- zum Konsolidierungsstaat und fragt nach den Aussichten für eine Wiederherstellung sozialer und wirtschaftlicher Stabilität.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.05.2013

Wolfgang Streeck hat hier ein wirklich bedeutendes Buch vorgelegt, verkündet Lutz Wingert. Der Kölner Wirtschaftssoziologe beschreibt in seinem Buch die aktuelle Neuordnung des Verhältnisses von Staat und Wirtschaft, wie sie von Politikern und Eliten derzeit gemeinsam betrieben wird, erklärt der Rezensent. Mithilfe eines beliebten und verbreiteten Mythos - die aktuelle Krise ist eine Schuldenkrise, die durch einen ausufernden Sozialstaat verursacht wurde - wird versucht, einem "Euro-Kapitalismus ohne Demokratie" das Wort zu reden und sogar Altlinke wie Jürgen Habermas stimmen mit Slogans wie "erst zentralisieren, dann demokratisieren" mit ein. Von dieser Position distanziert sich Streeck scharf, berichtet der Rezensent. Das Ziel kann es nicht sein, einen asozialen Konsolidierungsstaat für ein elitäres Marktvolk zu schaffen indem die EU als "Instrument zur Disziplinierung der Innenpolitik" ausgenutzt wird. Ein wichtiges Plädoyer, findet Wingert.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 16.03.2013

Fasziniert zeigt sich Steffen Vogel von Wolfgang Streecks Buch "Gekaufte Zeit", das aus den Adorno-Vorlesungen des Autors in Frankfurt 2012 hervorgegangen ist. Der Soziologe bietet seines Erachtens eine kritische Analyse der Ursachen der gegenwärtigen Krise. Die einzelnen Etappen dieser Entwicklung - Aufkündigung des alten Gesellschaftsvertrags, inflationäre Geldpolitik, Staatsverschuldung, Sozialabbau, die neoliberale Revolution - scheinen ihm erhellend dargestellt. Deutlich wird in Vogels Augen, dass das Ziel der westlichen Regierungen, Kapitalismus und Demokratie zu versöhnen, ernsthaft gefährdet ist. Die Zweifel des Autors, ob die europäische Demokratie letztlich realisierbar ist, hält er für nachvollziehbar. Nicht immer teilt er Streecks Skepsis, doch findet er sie "wohlbegründet". Ein Buch, dessen Lektüre der Rezensent nur empfehlen kann.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.03.2013

Eine brillante Kritik der gegenwärtigen Verhältnisse erblickt Stephan Speicher in Wolfgang Streecks Buch "Gekaufte Zeit", das aus den Frankfurter Adorno-Vorlesungen des Autors hervorgegangen ist. Die Ausführungen über das Scheitern des Bündnisses zwischen Demokratie und Kapitalismus findet er höchst anregend. Entstehung und Entwicklung der Krise Mitte der 70er Jahre, Wirtschaftskrisen, Staatsverschuldung, Arbeitslosigkeit scheinen ihm hellsichtig und klug analysiert. Er unterstreicht Streecks Intention, die Demokratie als Sache aller gegen die Ansprüche des Kapitals zu verteidigen. Gelegentlich hätte sich Speicher vom Autor eine etwas fundiertere wirtschaftsgeschichtliche Einbettung seiner Überlegungen gewünscht. Aber auch wenn er nicht immer mit dem Autor einer Meinung ist, hat er das Buch mit großen Gewinn gelesen.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 07.03.2013

Der Sozialwissenschaftler Wolfgang Streeck ist der Autor der Adorno-Vorlesungen des Jahres 2012. Obwohl er sich selbst in der Tradition von Adorno und Co. verortet, erkennt Rezensent Christoph Möllers einen wesentlichen Unterschied in der Methode: wo die Frankfurter Schule noch am Begriff gearbeitet hat, wendet sich Streeck der vergleichenden Empirie zu. Die Aussage des Autors ist drastisch: der demokratische Kapitalismus ist am Ende. Die politischen Institutionen konnten in den vergangenen Jahrzehnten ihre Krisen jeweils nur aufschieben: die 70er bedienten sich der Inflation, die 80er ließen die Staatsverschuldung anwachsen, die 90er setzten auf Privatisierung und die Kürzung von Staatsleistungen, fasst der Rezensent zusammen. Die endgültige Krise steht ins Haus. Besonders die EU erscheint Streeck in diesem Zusammenhang als problematisch, da sie kaum durch gesellschaftliche Kräfte kontrolliert werden kann. Trotzdem würde der Rezensent die gesellschaftlichen Akteure und die politischen Institutionen ungern zu früh aus der Verantwortung entlassen, nur weil sie in der Empirie Erfüllungsgehilfen systemischer Imperative zu sein scheinen. Das gelte besonders, wenn wirklich Verwerfungen bevorstehen, wie Streeck sie prophezeit, findet Möllers.