Klappentext
Auf welche Weltordnung steuern wir zu? Die liberale Demokratie steckt in der Krise, nach einer langen Phase der Demokratisierung sind wir wieder in einer Welt der Macht angelangt, bedingt vor allem durch autoritäre Bewegungen, technologischen Wandel, Neoliberalismus und Identitätspolitik. Mit seinen Gedanken zur Lage der Welt zeigt Francis Fukuyama, warum das freiheitliche Denken für die westlichen Gesellschaften im 21. Jahrhundert alternativlos ist. Vor allem aber macht er deutlich, warum wir für die Freiheit kämpfen müssen, wollen wir ihr Überleben sichern und das Risiko einer autoritären Weltordnung eindämmen.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.07.2026
Ein interessantes Buch legt Francis Fukuyama hier vor, so Rezensent Lukas Leuzinger; aber auch eines, das die Grenzen seines Denkens aufgreift. Schon im Titel schließt Fukuyama an sein berühmtestes, aber laut Fukuyama selten wirklich gelesenes Werk "Das Ende der Geschichte und der letzte Mensch" an. Jetzt geht es also um den letzten Mensch. Und auch um Fukuyamas eigene Biografie, tatsächlich wird auch Privates thematisiert, vor allem aber Fukuyamas Werdegang als politischer Denker, vom Liberalen zum Neokonservativen bis zum - im Anschluss an den von ihm mit etwas Verspätung kritisierten Irakkrieg - politisch Heimatlosen. Inzwischen kritisiert Fukuyama sowohl die Trumpisten als auch die woken Linken. Was hat es nun mit dem letzten Mensch auf sich? Der bleibt übrig, argumentiert Fukuyama, wenn in liberalen Demokratien, die für den Autor immer noch das bestmögliche politische System sind, die Gleichheitsversprechen durchgesetzt sind. Da die Menschen weiterhin einen Antrieb benötigen, wenden sie sich gegen das liberale System, das ihnen von nun an nur noch materielles Glück versprechen kann. Es geht in diesem antiliberalen Aufbegehren letztlich nicht um Systemkonkurrenz, sondern um den Kampf um Anerkennung - soweit mag Leuzinger Fukuyama folgen. Allerdings vermag der Autor, kritisiert der Rezensent, nicht zu erklären, wie der Furor wider die Eliten entstanden ist. Dass wirklich bloß Langeweile dahinter steckt, kann sich Leuziger nicht so recht vorstellen. Vielmehr vermutet der Rezensent, dass Fukuyama an dieser Stelle betriebsblind ist, weil er selbst zur von vielen abgelehnten Elite gehört. Insofern stellt dieses gleichwohl lesenswerte Buch in den Augen Leuzingers "viele Fragen, ohne wirklich Lösungen zu präsentieren".
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 08.06.2026
Rezensent Martin Hubert sieht in Francis Fukuyamas neuem Buch eine Darstellung der liberalen Geschichtsphilosophie, die ihre überzeugenden wie schwachen Punkte zugleich deutlich macht: Gleich zu Beginn widmet er sich am Beispiel Trumps dem Missverständnis seines berühmten Diktums, demzufolge die liberale Demokratie "zum herrschenden Prinzip der Geschichte" geworden sei. Es sei ihm darum gegangen, die "ungewisse Zukunft" aufzuzeigen, in die wir nach einem möglichen Zusammenbruch dieser Herrschaftsform stolpern würden. Auch Persönliches erfährt Hubert von Fukuyama, vor allem aber die Einflüsse auf sein Denken von Platon bis Leo Strauss, die ihm Liberalismus als der menschlichen Natur entsprechend aufgezeigt hätten, schließlich strebe jeder Mensch nach Freiheit und Anerkennung. Da gibt es durchaus Ambivalenzen, lesen wir, Hubert runzelt die Stirn, wenn der Autor politische Ordnung wichtiger findet als Demokratie an sich. Für Fukuyama sind autoritäre Bestrebungen der Gegenwart eher ein Ausdruck der Saturiertheit dessen, was der Liberalismus erreicht hat, da kann der Kritiker nicht mitgehen, der hier eine Missachtung realer Missstände sieht. Trotz dieser Mängel ist das Buch für ihn insgesamt recht anschaulich.
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 03.06.2026
Glaubt heute noch jemand an Francis Fukuyamas "Ende der Geschichte"? Fukuyama selbst zumindest schon, lernt Rezensent Jens Balzer aus dem neuen Buch des Geschichtswissenschaftlers, der argumentiert, dass wir uns inzwischen, wie er damals schon prophezeite, im Zeitalter des "letzten Menschen" befinden; der die Demokratie aus reiner Langeweile ablehnt. Allzu überzeugend findet Balzer diesen Gedanken nicht. Aber auch, wenn es Fukuyama nicht gelingt, seine berühmte Geschichtsthese zu retten, ist das Buch lesenswert, findet der Rezensent, und zwar weil Fukuyama aus einer konservativen Position heraus die liberale Demokratie verteidigt. Der Autor schreibt gegen Staatsverächter sowohl auf Seiten der Rechten als auch der postmodernen Linken an, besonders gegen Trump und dessen Versuche, die USA in eine Oligarchie zu verwandeln, nimmt er Stellung. Das findet Balzer ziemlich überzeugend, auch wenn er einige Stellen im Buch ärgerlich eitel findet.
Rezensionsnotiz zu Die Welt, 30.05.2026
"Originell und lebendig" findet Rezensent Marc Reichwein die Memoiren des US-amerikanischen Politikwissenschaftlers und Stanford-Professors Francis Fukuyama, die sogar mit dreimonatigem Vorsprung auf Deutsch erscheinen. Fachliches und Persönliches verbinden sich darin auf für den Kritiker angenehm zu lesende Weise: in kurzen Kapiteln erklärt er etwa, warum er seine einflussreiche These über das "Ende der Geschichte" nicht verwerfen will, berichtet von der privaten Neigung zum Tischlern, von seinem Versuch, dem lybischen Diktator Muammar al-Gaddafi nach einer offiziellen Einladung "Privatvorlesungen" zu geben, und kommt auf Stuttgart 21 zu sprechen. Ideengeschichtlich tiefergehend behandle Fukuyama außerdem den Begriff der "Vetokratie", der auf eine Art "Verfahrensfetischismus" hinauslaufe und den der Denker als einen wichtigen Ursprung des Populismus sieht. Für den Kritiker allem Anschein nach eine unterhaltsame wie informative Lektüre.
Buch in der Debatte
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