Aus dem Englischen von Kevin Vennemann. Wie lässt sich ein Wirtschaftssystem erklären, in dem Geld durch Geld erzeugt wird? Angesichts eines Informationskapitalismus, in dem Warenproduktion und körperliche Arbeit nur noch als Reminiszenz an alte Zeiten mitgeschleppt werden, zeigt der italienische Philosoph "Bifo" Berardi, dass wir es mit einem System zu tun haben, das vor hundert Jahren bereits von Dichtern wie Mallarmé antizipiert wurde: Der Signifikant hat den Bezug zu seinem Referenten verloren, "Schulden sind ein bloßer Akt der Sprache, ein Versprechen." Daher müssen wir zunächst lernen, die Zeichen zu lesen, sie so zu interpretieren, wie man Poesie interpretiert. Der Akt der Interpretation lehrt uns Empathie, er ist der erste Schritt zu einer neuen Solidarität, die den "erotischen Körper des gesellschaftlichen Lebens" reaktivieren kann. Ausgehend von der Finanzkrise 2008 und dem europäischen Kollaps dekonstruiert Berardi die Sprache und die Mythen des Neoliberalismus und ruft zu einer Revolution der Langsamkeit und des Rückzugs auf, mit der wir den Niedergang nicht zu fürchten brauchen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 31.07.2015
Das Thema Finanzpolitik veranlasst Dirk Pilz zunächst zu eigenen Überlegungen; er blickt zurück auf den Sieg des neoliberalen Marktweltbilds mit seinen selbstregulierenden Kräften. In Franco Berardis Buch sieht er einen Gegenentwurf zur "Philosophie des Geldes" von Christoph Türcke. Besonders interessant an den Gedanken Berardis, der selbst Philosoph ist, sei dessen Vorwurf, es fehle dem Finanzwesen an "gesellschaftlicher Phantasie". Hoffnung legt Berardi deshalb in die Poesie, so Pilz, die zeige, wie einfühlsames und humanes Handeln aussehen kann - wohingegen die moderne Kunst mit ihrer Selbstbezüglichkeit mitverantwortlich sei für den ähnlich funktionierenden Geldsektor. Letztlich sei der titelgebende "Aufstand" unumgänglich, so versteht Pilz den italienischen Autor Berardi.
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