Menschenraub ist ein vergessenes Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte. Doch bis zum Mauerbau 1961 wurden hunderte Menschen von der DDR-Staatssicherheit aus Westberlin entführt. Die Opfer waren ehemalige SED-Funktionäre, die die Seiten gewechselt hatten, Mitglieder von Organisationen, die gegen die DDR agitierten, Flüchtlinge, die für alliierte und westdeutsche Geheimdienste arbeiteten. Die Methoden der staatlich organisierten Entführungen waren vielfältig: Verschleppung auf offener Straße, Betäubung der Opfer durch Chemikalien, arglistige Täuschung durch Freunde und Verwandte. Westberlin lebte in Angst: Wer würde der Nächste sein? Wolfgang Bauernfeind recherchierte für sein Buch u. a. bei der Stasi-Unterlagenbehörde und sprach mit Entführungsopfern wie dem früheren RIAS-Mitarbeiter Richard Baier und dem Publizisten Karl Wilhelm Fricke. Er legt nun eine Auswahl von Entführungsfällen vor, die die illegalen Aktivitäten der Stasi im Auftrag des SED-Regimes schildert, um "Verräter" in der DDR bestrafen zu können. Deutlich wird
die Haltung der SED, die jegliche ideologische Abweichung, jede eigenständige politische Position als Angriff auf ihre Macht ansah und resolut bekämpfte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.11.2016
Rezensentin Daniela Münkel, selbst Historikerin und Projektleiterin in der Gauck-Behörde, findet in Wolfgang Bauernfeinds Buch keine sonderlich tiefgehende historische Analyse oder Einordnung der erzählten Entführungsfälle aus der Zeit des Kalten Krieges 1949-1989. Mehr als Gruselgeschichten, stellt sie fest, beschreibt der Autor die weitgehend seit Jahrzehnten bekannten Fälle, über die Münkel zudem bessere, weitaus systematischere Publikationen kennt. Auch die nie realisierte vom MfS 1954 geplante Entführung von Reinhard Gehlen, über die der Autor berichtet, kann Münkel nicht wirklich faszinieren.
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