Andrea Bahr, Jens Gieseke

Die Staatssicherheit und die Grünen

Zwischen SED-Westpolitik und Ost-West-Kontakten
Cover: Die Staatssicherheit und die Grünen
Ch. Links Verlag, Berlin 2016
ISBN 9783861538424
Taschenbuch, 360 Seiten, 30,00 EUR

Klappentext

Als die Grünen 1980 die politische Bühne betraten, waren Aktivistinnen wie Petra Kelly für die DDR zunächst umworbene Partner in der Friedensbewegung. Doch als Verfechter eines blockübergreifenden Politikansatzes wurden die Grünen mit ihren Wahlerfolgen im Westen zunehmend unbequem. Die DDR-Führung versuchte, gegen die grüne Doppelstrategie von offiziellem Dialog mit den SED-Oberen und Basiskontakten zur Unterstützung der DDR-Opposition vorzugehen. Die vorliegende Studie ordnet das Vorgehen der Staatssicherheit in den Kontext der SED-Westpolitik ein und beschreibt die vielfältigen Versuche, die grünen Aktivisten geheimdienstlich unter Kontrolle zu bringen. Jens Gieseke und Andrea Bahr analysieren dazu das Netz von nachrichtendienstlichen Quellen und Abhörtechnik sowie die Informationslieferungen über die Grünen an die SED-Führung. Zugleich untersuchen sie die Anfälligkeit einzelner grüner Politiker für kommunistische Einflüsse.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 29.10.2016

Pascal Beucker erfährt von Jens Gieseke und Andrea Bahr vom Zentrum für Zeithistorische Forschung über die vielfältigen Aktivitäten der Stasi in den Reihen der Grünen. Die von den Grünen selbst beauftragte Studie spricht von bis zu 500 Quellen, staunt Beucker, der Grünen-Politiker Dirk Schneider war eine von ihnen. Auch über die ideologischen Probleme der DDR im Umgang mit den Grünen informieren ihn die Autoren akribisch. Einerseits potenzieller Bündnisparter gegen den Nato-Doppelbeschluss, war die Partei als Unterstützer der Friedensbewegungen in der DDR auch ein Gegner des Systems, lernt Beucker. Eine Schwäche des Buches erkennt der Rezensent in der Tatsache, dass die Akten des Verfassungsschutzes zum Thema noch immer unter Verschluss sind.