Als die Grünen 1980 die politische Bühne betraten, waren Aktivistinnen wie Petra Kelly für die DDR zunächst umworbene Partner in der Friedensbewegung. Doch als Verfechter eines blockübergreifenden Politikansatzes wurden die Grünen mit ihren Wahlerfolgen im Westen zunehmend unbequem. Die DDR-Führung versuchte, gegen die grüne Doppelstrategie von offiziellem Dialog mit den SED-Oberen und Basiskontakten zur Unterstützung der DDR-Opposition vorzugehen. Die vorliegende Studie ordnet das Vorgehen der Staatssicherheit in den Kontext der SED-Westpolitik ein und beschreibt die vielfältigen Versuche, die grünen Aktivisten geheimdienstlich unter Kontrolle zu bringen. Jens Gieseke und Andrea Bahr analysieren dazu das Netz von nachrichtendienstlichen Quellen und Abhörtechnik sowie die Informationslieferungen über die Grünen an die SED-Führung. Zugleich untersuchen sie die Anfälligkeit einzelner grüner Politiker für kommunistische Einflüsse.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.04.2017
Eckart Conze liest die dreiundzwanzig Jahre nach dem ersten von den Grünen in Auftrag gegebenen Gutachten wiederum im Auftrag der Partei entstandene Untersuchung der Historiker Jens Gieseke und Andrea Bahr mit Gewinn. Die Arbeit profitiert laut Conze von der seit 1990 erschienenen Literatur und wird durch die zusätzliche Verwendung der bekannten Stasi-Akten zum Thema zu einer "belastbaren" Gesamtdarstellung, differenziert, distanziert, nüchtern in Sprache und Inhalt und vor allem historisierend, wie der Rezensent lobt. Conze erfährt auf die Weise, dass sich die Grünen aus Ost-Berlin nicht steuern ließen und sämtliche Mühen der Stasi, Kontakte zwischen Grünen und DDR-Opposition zu unterbinden, letztlich scheiterten.
Pascal Beucker erfährt von Jens Gieseke und Andrea Bahr vom Zentrum für Zeithistorische Forschung über die vielfältigen Aktivitäten der Stasi in den Reihen der Grünen. Die von den Grünen selbst beauftragte Studie spricht von bis zu 500 Quellen, staunt Beucker, der Grünen-Politiker Dirk Schneider war eine von ihnen. Auch über die ideologischen Probleme der DDR im Umgang mit den Grünen informieren ihn die Autoren akribisch. Einerseits potenzieller Bündnisparter gegen den Nato-Doppelbeschluss, war die Partei als Unterstützer der Friedensbewegungen in der DDR auch ein Gegner des Systems, lernt Beucker. Eine Schwäche des Buches erkennt der Rezensent in der Tatsache, dass die Akten des Verfassungsschutzes zum Thema noch immer unter Verschluss sind.
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