Wlodzimierz Borodziej, Hans Lemberg (Hg.)

Unsere Heimat ist uns ein fremdes Land geworden...

Die Deutschen östlich von Oder und Neiße. Dokumente aus polnischen Archiven
Cover: Unsere Heimat ist uns ein fremdes Land geworden...
Herder Institut, Marburg 2000
ISBN 9783879692835
Gebunden, 728 Seiten, 71,07 EUR

Klappentext

Eine Arbeitsgruppe deutscher und polnischer Historikerinnen und Historiker hat die Chance genutzt und in den Jahren 1997-2000, gefördert von der Stiftung für Deutsch- Polnische Zusammenarbeit und der Robert Bosch Stiftung, in polnischen Archiven Dokumente gesammelt, die das Schicksal der Deutschen im polnischen Machtbereich von 1945-1950 beleuchten. Aus mehreren Zehntausenden von Dokumenten wurde eine Auswahl von etwa 2000 zusammengestellt. Die Edition erscheint parallel in einer polnischen und in einer deutschen Ausgabe. Der nun vorgelegte erste Band behandelt nach einer allgemeinen Einführung und einem Quellenteil mit zentralstaatlichen Verordnungen polnischer Behörden die Wojewodschaft Allenstein (das südliche Ostpreußen).

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.01.2004

Auch diesem Buch über die Vertreibung der Deutschen aus Schlesien drohe die Gefahr, übersehen zu werden, mutmaßt Christian Jostmann. Es ist der zweite von insgesamt vier Bänden mit Dokumenten aus polnischen Archiven, die ein deutsch-polnische Forscherteam recherchiert habe und das mit einer den historischen Zusammenhang "erhellenden" Einleitung versehen sei, berichtet der Rezensent. Sie zeigten die Vertreibung "aus der Sicht der Täter" und zeichneten das Bild einer "hoffnungslos überforderten polnischen Zivilregierung", meint der Rezensent. Sie musste die von den siegreichen Alliierten gefassten Pläne der "Entdeutschung", die laut Jostmann einerseits eine Reaktion auf das brutale Besatzungsregime der Deutschen und andererseits eine Folge des Willens Stalins, die gewonnenen ostpolnischen Gebiete nicht wieder herzugeben umsetzen. Es galt, Millionen von Polen in den Westen des Landes umzusiedeln und gleichzeitig die dort lebenden Deutschen außer Landes zu schaffen, so dass das Chaos vorprogrammiert gewesen sei, wie die präsentierten Dokumente nach Ansicht Jostmanns deutlich machten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.03.2001

Der Rezensent Karlheinz Lau begrüßt die vorliegende Studie, da mit ihr "auch von polnischer Seite die Grundlage geschaffen wird für eine Gesamtschau der Vertreibung, Zwangsumsiedlungen und Umsiedlungen." Ein abschließendes Urteil über die Größe des Forschungsbeitrags zu diesem Thema, schränkt Lau sein wohlwollendes Urteil etwas ein, könne zwar erst nach Erscheinen aller Bände gefällt werden, dennoch sei der Anfang gemacht, um die nunmehr auch geöffneten polnischen Archive unvoreingenommen zur Erforschung heranzuziehen. Besonders hebt der Rezensent die ausführliche Einleitung des ersten Bandes hervor und den vermittelnden Anspruch dieser deutsch-polnischen Edition, der "für eine Gegenüberstellung der deutschen und polnischen Perspektive" plädiert. Alles in allem also ein vielversprechender Anfang, von dem sich der Rezensent offensichtlich eine ebenso ausgewogene Fortsetzung verspricht.

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