Der polnisch-deutsche Briefwechsel der Bischöfe von 1965 gilt als einer der wichtigsten Impulse und entscheidender Anstoß für den Dialog zwischen Deutschen und Polen.
Die Versöhnungsbotschaft des polnischen Episkopats mit ihrer berühmten Formel "wir gewähren Vergebung und bitten um Vergebung" wird seither synonym mit Bewältigung nationaler Feindschaften gesetzt. Die Vorbildfunktion dieses Briefwechsels verstellt jedoch häufig den Blick auf die mühsame Entwicklung seiner fortschrittlichen und positiven Ausstrahlung, die durch zahlreiche Hemmnisse und Widerstände erschwert wurde und nach wie vor wird. Sie schlagen sich vor allem in der asymmetrischen Einschätzung beider Briefe nieder: auf der einen Seite die bahnbrechende Versöhnungsgeste des polnischen Episkopates, auf der anderen Seite eine vermeintlich zurückhaltende und enttäuschende Antwort der deutschen Bischöfe, die einer Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze auswichen. Die Untersuchung widerspricht diesem Narrativ.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.01.2017
Laut Hans Maier wirft Severin Gawlitta vom Bistumsarchiv Essen neues Licht auf den Briefwechsel der polnischen und deutschen Bischöfe während des Zweiten Vatikanischen Konzils. Maier folgt Gwalittas Darstellung des deutsch-polnischen Antagonismus nach dem Krieg, der langsamen Annäherung (die Gwalitta nach Maiers Dafürhalten noch genauer hätte dokumentieren können) und schließlich der Verständigung. Die Entstehungsgeschichte des Polen-Briefes kann ihm der Autor mit Sorgfalt aufblättern und die Wirkung der bischöflichen Korrespondenz in neues Licht stellen.
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