Mit dem Verhältnis zwischen Politik und Ethik im Rechtsstaat haben sich große Denker seit der Antike auseinandergesetzt. Der Band betrachtet die wesentlichen historischen Positionen: Platon, Aristoteles, Konfuzius, Augustinus, Hobbes, Rousseau, Kant, Marx u.a. Unter dem Begriff "gesellschaftliche Kompensationen" geht es u.a. um 'Geschichte als Fortschritt' und 'Ordnung des Dissenses'.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.06.2004
Die ethische Begründung des Staates ist für den Autor Walter Schweidler ein zentrales, aus dem Paradox der Selbstbegründung spätestens mit der Neuzeit nicht mehr zu erlösendes Thema. Der bedeutendste Autor, der die Aporien des kontraktualistischen Modells am weitesten entwickelt hat, ist Thomas Hobbes - ihm ist denn auch das zentrale und, wie der Rezensent Wolfgang Kersting in seiner sehr ausführlichen Darstellung meint, beste Kapitel des Buches gewidmet. Gleichfalls überzeugend findet er Schweidlers Hinweis auf die bereits in Augustinus Theorie von der göttlichen und menschlichen "civitas" angelegte Aufhebung eines Absolutheitsanspruchs für menschliche Gesellschaften. Auch der kritischen Auseinandersetzung mit Habermas' Ausarbeitung der zugrunde liegenden Paradoxien steht der Rezensent wohlwollend gegenüber. Die von Schweidler vorgeschlagene Remedur allerdings scheint ihm in eine gefährliche Richtung zu deuten. Die Idee, die ethische Letztbegründung (die eine solche nicht mehr sein kann) in die Personenbildung zu verlegen, laufe in Richtung eines letztlich das Individuum wiederum auf bestimmte kulturelle Werte verpflichtenden, aristotelisch inspirierten Kommunitarismus. Ein weiterer Kritikpunkt: Gerade die Anfangskapitel des Buches zur Antike seien "eher dürftig". Dennoch bescheinigt Kersting dem Buch insgesamt " intellektuell anregende Wirkung und stoffliche Reichhaltigkeit".
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