Aus dem Englischen von Wiebke Meier. Herausgegeben von Heinrich Meier. Leo Strauss geht in "Naturrecht und Geschichte" von Heidegger zurück bis auf die Vorsokratiker. Der Band 4 der gesammelten Schriften steht die Auseinandersetzung mit Sokrates im Zentrum und reicht über Hobbes, Locke, Rousseau und Burke bis zur Kritik Max Webers. Hervorgegangen aus den sogenannten "Walgreen Lectures", die Strauss im Oktober 1949 an der University of Chicago hielt, wurde "Naturrecht und Geschichte" das wirkmächtigste Buch von Strauss. Es kombiniert Kritik an Historismus und Positivismus mit dem Plädoyer, die klassische Philosophie der Antike einer neuen Prüfung zu unterziehen. Die philosophische Untersuchung kreist um die Entdeckung der Natur, mit der die Philosophie beginnt, die Politische Philosophie und das Recht der Philosophie. Die deutsche Neuübersetzung ist erweitert um Helmut Kuhns Besprechungsaufsatz und Strauss' Antwort auf Kuhn sowie den umfangreichen Essay "Philosophie und Geschichte" von Heinrich Meier.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 16.11.2022
Zur Schärfung des eigenen Denkens empfiehlt Rezensent Thomas Meyer dringend diese Schrift des amerikanischen Philosophen Leo Strauss, der als Vordenker der amerikanischen Neokonservativen berüchtigt wurde, aber vielleicht nicht wirklich bekannt. Bei "Naturrecht und Geschichte" handelt es sich um Strauss' Hauptwerk, erklärt Meyer, er geißelt darin Historismus und Nihilismus, die sich mit der deutschen Denkschule von Max Weber, aber auch Martin Heidegger durchgesetzt hätten. Dadurch sei die Philosophie als Quelle der Weltdeutung obsolet geworden. Meyer lobt besonders das "filigrane" Nachwort von Herausgeber Heinrich Meier, das Strauss' antihermeneutisches Vorgehen anschaulich mache. Für den Rezensenten bleibt der antimoderne Strauss eine notwendige Zumutung, die in keiner Weise den Odeur eines Oswald Sprengler verströmt, wie er versichert.
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