In Dresden geboren, 1961. Opa ein urkundlich bescheinigter Hallodri. Oma macht aus jedem Einkauf einen Ausflug. Mit den Eltern für fünf Jahre nach São Paulo. Die hatten ihr eigenes System, danke. Kaufmännische Lehre in der Planwirtschaft: Ick stempel doch jetzt nicht die fünftausend scheiß Scheine! Lieber Gräber schaufeln in Löbtau. Arbeitsplatz ohne besondere Vorkenntnisse. Hauptsache kein Büro mehr. Im Kurort die erste eigene Wohnung. Katrin ist schon am Theater, absolut erstrebenswerte Arbeitszeiten. Aber die lassen mich ohne abgeleisteten Wehrdienst nicht an die Schauspielschule! Für ein langes Wochenende interniert von der Volkspolizei. Einfach so. Also Weihnachten ʼ84 in Prag in die deutsche Botschaft. Ausreise. Aber zum Karneval und für die Liebe wieder rein. Und schnell wieder raus. Später Akteneinsicht. Glück gehabt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.07.2020
Rezensent Uwe Ebbinghaus ist überrascht, wie lange er den Schauspieler Uwe Preuss dabei begleitet, wenn der seine Familiengeschichte erzählt. So aufregend ist das nämlich alles nicht, gibt Ebbinghaus zu. Jugend in Dresden, Flucht aus der DDR, später Rückkehr. Am spannendsten erscheint dem Rezensenten noch der Großvater des Autors mit seinem Glasauge. Am Ende der Lektüre aber zeigt sich Ebbinghaus doch gerührt angesichts der "hingebungsvollen Detailtreue", des "eigenwilligen Humors" und der "bestechenden Beobachtungen" im Buch. Dass dem Text gelegentlich die Reflexion und die Dramaturgie fehlen, wie er anmerkt, kann der Rezensent scheinbar verkraften.
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