Ulrich Bröckling, Susanne Krasmann, Thomas Lemke (Hg.)

Gouvernementalität der Gegenwart

Studien zur Ökonomisierung des Sozialen
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2000
ISBN 9783518290903
Taschenbuch, 315 Seiten, 11,20 EUR

Klappentext

Seit dem Ende der siebziger Jahre untersuchte Foucault soziale Beziehungen unter der Perspektive der Menschenführung: Mit dem Begriff der "Gouvernementalität" stellte er die für seine Machtanalytik entscheidende Verbindung von Herrschaftstechniken und "Technologien des Selbst" her. Der Band öffnet mit der deutschen Erstübersetzung von Foucaults Vorlesung "La gouvernementalite". Die weiteren Beiträge setzen sich dann von der deutschen philosophisch-akademischen Foucault-Rezeption ab und schließen an die angloamerikanischen "Governmentality studies" an.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 09.10.2000

Ausführlich und insgesamt nicht ohne Sympathie für den hier vorgestellten Forschungsansatz geht René Aguigah auf diesen Band ein, der seiner Auskunft nach das Programm der "Govermentality Studies" erstmals in Deutschland vorstellt. Aguigah skizziert zunächst die Herkunft des Begriffs der "gouvernementalité" aus einer Phase des Schaffens von Michel Foucault, der in den siebziger und achtziger Jahren Formen der politischen Macht untersuchte und den Begriff aus "gouvernement" (Regierung) und "mentalité" (Mentalität) zusammensetzte. Der Staat ist demnach nur eingebunden in komplexe Formen der Herrschaft über die Menschen, aber keineswegs ihr einziges oder entscheidendes Instrument. Aguigah schildert, wie die Autoren damit die Hoffnung verbinden, herauszukommen aus der starren Konfrontation von "Neoliberalen" einerseits, die nicht müde werden "weniger Staat" zu fordern, und linken Kritikern wie Pierre Bourdieu andererseits, die im Gegenteil "mehr Staat" fordern. Denn beide Seiten dieser gegenwärtigen politischen Diskussion - so scheinen es die Anhänger der "Governmentality Studies"zu sehen - sind gefesselt in der selben Begrifflichkeit und gehorchen der gleichen Macht eines übergeordneten und unbegriffenen Diskurses. Allerdings bemängelt Aguigah zweierlei an dem Band: Studien wie die über den "schlanken Staat", über die Gentechnologie oder die "Disney-Kultur" beruhen seiner Meinung nach allzu sehr auf programmatischen Texten und analysierten zu wenig, wie die Menschen damit umgehen. Und den Begriff des Neoliberalismus, wie er in dem Band gebraucht wird, findet er zu vage.
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