Saul Friedländer

Proust lesen

Ein Essay
Cover: Proust lesen
C.H. Beck Verlag, München 2020
ISBN 9783406755118
Gebunden, 208 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Annabel Zettel. Marcel Prousts "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" ist der längste und für viele seiner Leserinnen und Leser auch der bedeutendste Roman der französischen Literatur. Manche begleitet er durch das ganze Leben, so auch Saul Friedländer, den Friedenspreisträger und großen Historiker des Holocaust. Saul Friedländer legt keine Einführung in Leben und Werk von Marcel Proust vor, sondern einen Essay über das Lesen von Proust. Er spürt darin einigen Fragen nach, die ihn besonders beschäftigt haben, wie etwa der widersprüchlichen Rolle der Juden oder dem Umgang mit dem Thema Homosexualität, der komplexen Beziehung von Erzähl-Ich und Autor oder dem Status der Erinnerung im Werk. Vor allem aber vermittelt Friedländer das Glück der Proust-Lektüre, den Reichtum der Sprache Marcel Prousts, und die unvergleichliche Schärfe und Hellsichtigkeit, mit der er die Gesellschaft seiner Zeit seziert. Am Ende überkommt den Leser nur ein dringender Wunsch - Proust lesen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.10.2020

Es muss hellsichtig machen, wenn Bewunderung und Misstrauen aufeinandertreffen, denkt sich Rezensent Lothar Müller beim Lesen von Saul Friedländers Essay über Marcel Proust. Er wundert sich zwar, dass Friedländer nicht auf Französisch schreibt, sondern auf Englisch, aber was er über Judentum und Homosexualität in der "Suche nach der verlorenen Zeit" findet, erscheint Rezensent Müller schön irritierend. In den Passagen über den homosexuellen Baron de Charlus etwa entdeckt Friedländer geradezu eine "Sprache des Hasses", was er sich noch damit erklären könnte, dass Proust sein konventionelles Publikum habe besänftigen wollen, wie Müller ausführt. Aber in den abfälligen Passagen über den jüdischen Aufsteiger Bloch vermutet Friedländer einen Exorzismus, der weit über den häufig bei Proust aufscheinenden Opportunismus hinausgehe. In Müllers Augen ist mit Friedländers Essay nicht das letzte Wort zum Thema gesprochen, aber er bewahre vor "allzu beruhigenden Befunden".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.10.2020

Rezensentin Susanne Klingenstein lässt sich lieber auf Proust ein denn auf Saul Friedländers biografische Lesart der Recherche. Proust verlangt eine Lesearbeit, die der Autor nicht zu leisten bereit ist, empört sich Klingenstein. Dass der Autor kein gutes Haar an Prousts Romanprojekt findet, wundert die Rezensentin daher nicht. Friedländer betrachtet Prousts Kosmos von außen und verurteilt ihn, statt in ihn hineinzutauchen, so Klingenstein. Was der Autor alles im Roman zu erkennen glaubt, allen voran die Verschlüsselung von Prousts Hadern mit seinem Judentum und seiner Homosexualität, führt allenfalls zu schiefen Interpretationen, ärgert sich die Rezensentin.
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