Matthias Zschokke

Ein Sommer mit Proust

Cover: Ein Sommer mit Proust
Wallstein Verlag, Göttingen 2017
ISBN 9783835331310
Gebunden, 64 Seiten, 12,90 EUR

Klappentext

Zschokke liest Proust. Ein hoch komischer und intelligenter Kampf mit 5000 Seiten Weltliteratur und mit sich selbst. Wie kann man sich selbst Schriftsteller nennen, aber eines der ganz großen Werke der Weltliteratur nicht gelesen haben?! Wird man nur mitleidig belächelt, wenn man gestehen muss, die "Suche nach der verlorenen Zeit" nicht zu kennen? Matthias Zschokke stellt sich diesem Mammutunternehmen: Wild entschlossen, voller Neugier und diszipliniert will er dem Geheimnis dieses Werkes auf die Spur kommen. Schnell werden Zweifel wach. Vielleicht liegt es nur an der deutschen Übersetzung? - Und das französische Original würde jeden Leser sofort in einen Rausch versetzen? Zschokke müht sich redlich, sich dem Werk gewachsen zu erweisen, aber er liest eben wie ein Autor, der sich um jedes Detail Gedanken macht. Immer ist er bereit, die Ursachen für Missmut und Unverständnis erst einmal bei sich selbst zu suchen. Beistand und Hilfe findet er etwa bei einem berühmten Proustübersetzer (und -kenner), dem er unverdrossen Fragen stellt, wenn er etwas unlogisch oder verlogen findet.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.11.2017

Mehr berichtend als wertend nimmt Rezensent Lothar Müller die leidenschaftlich geäußerte Proust-Aversion Matthias Zschokkes zur Kenntnis. Zschokke, so ist aus Müllers Schilderung zu erfahren, hat es ja in all seiner protestantischen Redlichkeit mit Proust versucht, aber ihm schlägt aus der "Recherche" ein Parfum entgegen, das bei ihm (Zschokke) Brechreiz auslöse. Müller führt es auf die Sphäre der jüdisch geprägten Salons in Prousts Leben und der "Recherche" zurück. Zschokke störe sich sowohl an der gesellschaftlichen Ambition des Roman-Erzählers als auch an seiner Liebesgeschichte "mit seinem Stricher, genannt 'Albertine' in Endlosschleife", zitiert Müller den Autor. Der Rezensent stimmt weder zu, noch weist er Zschokke zurück - im Gegenteil, er empfiehlt den Band zur Lektüre, aber mit einer Ergänzung: Andreas Isenschmids neuem Band über Proust, der sich genau der gegenteiligen Proust-Obsession, einer rückhaltlosen Liebe, verdanke.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.08.2017

Nein, elegant kann Paul Jandl Matthias Zschokkes Proust-Bashing nicht finden, witzig auch nicht. Was der Autor gegen die Recherche zu sagen hat, findet Jandl meistenteils platt, bestenfalls raffiniert, wenn Zschokke sich für seine Suada der Briefform bedient. Hermeneutisch unglücklich scheint ihm Zschokkes Gleichsetzung von Autor und Erzähler. Irritierend findet er Zschokkes "bornierte" Bissigkeit, die sich zu stammtischhafter Kunstskepsis ausweitet, meint Jandl. Am besten, findet er, funktioniert der Text noch als Selbstporträt des Schriftstellers, ein selbstironisches vielleicht sogar.

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