Luzius Keller

Marcel Proust Enzyklopädie

Handbuch zu Leben, Werk, Wirkung und Deutung
Cover: Marcel Proust Enzyklopädie
Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2009
ISBN 9783455095616
Gebunden, 1018 Seiten, 99,00 EUR

Klappentext

In einer der berühmtesten Szenen der Weltliteratur taucht der Protagonist von "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" eine Madeleine in den Tee, worauf er sich plötzlich an seine Jugendzeit in Combray erinnert. Dass Prousts Madeleine etwas mit einem Zwieback Wagners zu tun hat, ist nur eine der vielen Informationen in diesem Handbuch. Es gibt umfassend Auskunft über Leben, Werk, Wirkung und Deutung Marcel Prousts. Über Orte, wo er gelebt hat (Paris, Auteuil, Illiers, St. Moritz, Evian, Venedig, Cabourg), Orte, die er imaginiert hat (Combray, Balbec, Doncieres), Personen, die er gekannt hat, Figuren seines Werks, Bezüge zu anderen Autoren (Baudelaire, Anatole France, Flaubert, Saint-Simon, Racine, Ovid, Homer), zu Malern (Giotto, Monet, Whistler), Komponisten (Beethoven, Wagner, Franck, Faure), Philosophen (Schelling, Schopenhauer, Bergson), über Motive des Werks (Weißdorn, Flieder, Madeleines), über die Proust-Rezeption weltweit.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.06.2010

Ganz berauscht ist Rezensent Jürgen Ritte von seiner Entdeckung, die Liebhaber und Forscher gleichermaßen erfreuen wird: Die neue von Luzius Keller herausgegebene "Marcel Proust Enzyklopädie" weise alles auf, wovon der Proust-Freund träumt. Neben Einträgen zu realen wie fiktiven Orten, Namen und Daten wurde mit viel Aufmerksamkeit und Präzision jede noch so kleine Arbeit Prousts berücksichtigt. Zu einem veritablen Führer durch das "verwinkelte Pharaonengrab der Recherche" werde es vor allem durch die Zusammentragung der Erkenntnisse der in den letzten Jahren  explosionsartig angestiegenen Proust-Forschung, lobt der Kritiker. Mit seinen über 800 Einträgen, die von "Eisenbahnfahrplänen" bis zur in der Forschung vernachlässigten Rolle der Schweiz reichen, lässt diese überarbeitete und stark erweiterte Fassung den erst 2004 erschienenen "Dictionnaire Marcel Proust" hinter sich zurück. Die "konkrete Lesereise" durch Prousts Oeuvre ersetze das Handbuch natürlich nicht, aber für den Rechercheweg durch Proust'sche Räume, Zeiten und Themen sei das Handbuch ein unverzichtbarer Begleiter, so der begeisterte Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.12.2009

Das einzige, was ein begeisterter Helmut Mayer gegen diese nun in deutscher Übersetzung vorliegende "Marcel Proust Enzyklopädie" einzuwenden hat, ist ihre Bezeichnung als "Handbuch". Viel zu bescheiden findet er das, und überdies im Grunde auch falsch. Denn nicht einfach Handbuch-Wissen und nüchterne Erträge der Forschung versucht, so der Rezensent, dieser Band zu versammeln. Vielmehr erweise sich die Lektüre, über weite Strecken jedenfalls, weniger trotz als gerade wegen der ungeheuren hier ausgebreiteten Detailkenntnisse, die bis weit ins Abseitige reichen, als Vergnügen. Genauer vorgestellt wird die Akribie, mit der die Autorinnen und Autoren hier vorgehen, am Beispiel der in der Proust-Forschung lange umstrittenen "Wirbel", die einmal (in der deutschen Übersetzung allerdings nicht) auf der Stirn von Tante Leonie sichtbar sein sollen. Medizinisches Fachwissen der Zeit führt hier, im Verbund mit dem Wissen um Prousts wohl karikierende Absichten, zur Erkenntnis. Besonderes Lob erfährt der Herausgeber und Proust-Übersetzer Luzius Keller, der als Addendum zum Original weitere instruktive Beiträge beisteuert. Dieser Band ist mithin, so Helmut Mayer, "eine Schatzhöhle, an der kein wirklich von Proust affizierter Leser einfach vorbeigehen sollte".

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