Rudolf Carnap, Otto Neurath

Rudolf Carnap und Otto Neurath: Briefwechsel

Deutsch und Englisch
Cover:  Rudolf Carnap und Otto Neurath: Briefwechsel
Felix Meiner Verlag, Hamburg 2024
ISBN 9783787345144
Gebunden, 680 Seiten, 78,00 EUR

Klappentext

Der Briefwechsel zwischen Rudolf Carnap und Otto Neurath ist ein Schlüsseldokument zur Geschichte des logischen Empirismus. Er illustriert die Entwicklung der Debatten im Wiener Kreis und in der nachfolgenden Emigration, gewährt Einblicke in Netzwerk und Umfeld dieser höchst einflussreichen philosophischen Bewegung und macht politische Motive seiner Hauptrepräsentanten deutlich. Carnap und Neurath zählten zu den wichtigsten Vertretern des sog. "Wiener Kreises", der die Philosophie des 20. Jahrhunderts entscheidend und weit über die deutschsprachigen Länder hinaus beeinflusste. Ihre reichhaltige und lebendige Korrespondenz ist ein eindrucksvolles Dokument der philosophischen Freundschaft zweier grundverschiedener Persönlichkeiten. Die Briefe berühren neben Fragen der Einheitswissenschaft, des Physikalismus und der Protokollsatzdiskussion auch allgemeine (philosophie-)historische Reflexionen, wissenschaftsorganisatorische Fragen und die Schwierigkeiten eines Lebens im Exil. Ab 1939 wechselten die Korrespondenzpartner die Sprache und schrieben sich auf Englisch. Aus den rund 600 erhaltenen Briefen wurden die philosophisch, historisch und biografisch relevanten ausgewählt und durch Einleitung, Kommentare, Bibliografie und Register erschlossen. Auch Neuraths berühmte Elefantenzeichnungen sind im Band mit abgebildet.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 23.12.2024

In den rund 600 Briefen, die sich Otto Neurath und Rudolf Carnap über mehr als zwanzig Jahre geschrieben haben, kann Rezensent Michael Hesse einiges über die theoretischen Grundlagen des Wiener Kreises lernen, dem der jüdische Neurath und der pietistische Carnap angehörig waren. Beide haben sich für einen Austromarxismus mit "wissenschaftlichem Fundament" eingesetzt. Neuraths wissenschaftlicher Stil ist dabei nicht nur von Carnap kritisiert worden, der im Gegensatz zu seinem Briefpartner beim Aufkommen des Austrofaschismus eine Festanstellung in Chicago bekommen hat, während jener sich in England durchschlagen musste, wie wir erfahren. Hesse berichtet, dass das wissenschaftliche Prinzip der beiden sich darauf stützt, nur das Wahrnehmbare zu berücksichtigen, der sogenannte "Physikalismus" - ihre Ideen zu Logik und Wissenschaftsethik sind weit über Neuraths Tod 1945 von Bedeutung geblieben, betont der Kritiker, der den Meiner-Verlag dafür lobt, den Briefwechsel herausgegeben zu haben.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.10.2024

Zwei Größen des "Wiener Kreises" kann Rezensent Helmut Mayer mit dem Briefwechsel zwischen Rudolf Carnap und Otto Neurath näher kennenlernen: Neurath, Soziologe und Ökonom, war auch ein geschulter Rhetoriker, Carnap Philosoph, beide haben sich mit dem Logischen Empirismus befasst. Der voluminöse Briefwechsel umfasst die Jahre zwischen 1923 und 1945 (Neuraths Tod) und diskutiert zahlreiche Fragen, etwa, was Empirismus genau meint oder wie sich aufschlussreiche logische Analysen durchführen lassen. Diskussionen, die nicht spannungsfrei sind, wie Mayer liest: Neurath und Carnap vertraten unterschiedliche Ansätze innerhalb dieser Bewegung: Während Neurath für einen pragmatischen Empirismus plädierte und eine Ablehnung jeglicher metaphysischen Elemente forderte, fokussierte sich Carnap auf eine logische und strukturelle Herangehensweise, die Neurath teilweise als zu abstrakt empfand, erklärt der Kritiker. Die Edition gibt Einblicke in die Diskussionen und Differenzen zwischen den beiden Denkern und führt, historisch bedeutend, die intellektuellen Debatten des vergangenen Jahrhunderts auf lebendige Weise vor Augen, schließt der Rezensent.

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