Vorliegende Studien entspringen dem Versuch, Werke von Hofmannsthal und Kraus, Schnitzler und Broch, Horvath und Nabl mit dem Blick auf die historischen Voraussetzungen neu zu lesen und zugleich die so genannte Trivialliteratur und das zeitkritische Feuilleton als Kontrastfolie heranzuziehen. Auch der historische Roman und die zeitgenössische Lyrik sind aufschlussreiche Dokumente, die der Besonderheit der Literatur in dieser Zeit Konturen zu geben vermögen; zudem ermöglichen die Impulse, die vom Wiener Kreis ausgingen, die Sicht auf eine Literatur, die keineswegs nur von der Signatur des Untergangs bestimmt ist.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 02.11.2002
Abgesehen von den Giganten der Epoche wie Hofmannsthal, Broch, Roth, Musil, Schnitzler und Horvath hat die Germanistik die österreichische Literatur der Zwischenkriegszeit bisher recht stiefmütterlich behandelt. Sowohl die national-völkische Literatur der Zeit zwischen 1918 und 1933/1945 wie auch die liberal-sozialistische Tradition blieb weitgehend unbeachtet. Mit seinem Aufsatzband "Ohne Nostalgie. Zur österreichischen Literatur der Zwischenkriegszeit" schließt der Germanist und Leiter des österreichischen Literaturarchivs, Wendelin Schmidt-Dengler, zur Freude des A.Bn. zeichnenden Rezensenten nun diese Lücke. Temperamentvoll und tatkräftig erhebe der Autor Einspruch gegen Geschichtsvergessenheit und Identitätsblindheit. Mit Erfolg: Für den Rezensenten erweisen sich viele Texte, die um Themen wie das "glanzlose" Wiener Finale von 1918, der "Militär"-Komplex, das "Bedürfnis nach Geschichte" und die "verpatzten Feste" in der österreichischen Literatur der Zwischenkriegszeit kreisen, als wahre "Augenöffner".
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