Matthias Heine

Letzter Schultag in Kaiser-Wilhelmsland

Wie der Erste Weltkrieg die deutsche Sprache für immer veränderte
Cover: Letzter Schultag in Kaiser-Wilhelmsland
Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2018
ISBN 9783455002812
Gebunden, 224 Seiten, 16,00 EUR

Klappentext

Sprache ist lebendig und verändert sich ständig. Das mögen manche beklagen, wenn überall Anglizismen auftauchen. Doch einschneidender und von viel größerem Ausmaß als aktuelle Veränderungen für die deutsche Sprache war der Erste Weltkrieg. Bis 1914 breitete sich Deutsch scheinbar unaufhaltsam aus - als führende Weltwissenschaftssprache ebenso wie als Amtssprache in den Kolonien oder in Osteuropa. Deutsch reiste in die exotischen Regionen Afrikas und des Südpazifiks und in die USA. Dann kam der Erste Weltkrieg. Nicht nur slawische Nationen, Elsass und Lothringen oder Länder unter dem Äquator, denen das Deutsche aufgezwungen worden war, gingen 1918 dem deutschen Sprachraum verloren, sondern auch Gebiete wie Südtirol, in denen man Deutsch gesprochen hatte. "Kaiser-Wilhelms-Land" wurde Neuguinea , das Haus Sachsen-Coburg hieß plötzlich Windsor und auch der "German Shepherd" wurde zum "Alsatian" umgetauft. Uns blieben nur Wörter und Wendungen wie "robben" und "auf Tauchstation gehen", mit denen die Weltkatastrophe vor 100 Jahren noch heute unser Reden prägt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.07.2018

Rezensent Wolfgang Krischke liest Matthias Heines Darstellung der deutschen Sprachgeschichte vor dem Hintergrund des "Großen Krieges" mit Interesse. Dass der Autor eine Vielzahl von Informationen aus der germanistischen Spezialliteratur zusammengetragen und zu einem lebendig geschilderten Panorama verarbeitet hat, findet er bemerkenswert, wenngleich ihm der ein oder andere Fehler auffällt und er Heines Einschätzung des Krieges als "größten Einschnitt" in der Sprachentwicklung des Deutschen nicht ohne weiteres teilt. Gute gefallen hat Krischke, dass der Autor Togo und Kamerun in den Blick nimmt und die sprachliche Situation in Neuguinea schildert, wo das "Unserdeutsch" als einzige Kreolsprache deutscher Provenienz existierte und tatsächlich noch existiert, wie Krischke weiß.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.07.2018

Tobias Sedlmaier lernt von Matthias Heine, welche Folgen der Erste Weltkrieg für die Verbreitung und das Ansehen der deutschen Sprache hatte. Über Eindeutschungsversuche, den Kampf um die Deutungshoheit der Sprache, sprachliche Heimatfronten und Fremdwörterächtung berichtet der Sprachwissenschaftler Heine laut Sedlmaier anekdoten- wie lehrreich. Schauplätze und Entwicklungslinien präsentiert der Autor kenntnisreich und mit Sinn für Humor, meint der Rezensent.

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