Norbert Frei
Konrad Adenauer
Kanzler nach der Katastrophe. Biografie

C.H. Beck Verlag, München 2025
ISBN 9783406837234
Gebunden, 317 Seiten, 29,90 EUR
ISBN 9783406837234
Gebunden, 317 Seiten, 29,90 EUR
Klappentext
Unter den Kanzlern der Bundesrepublik Deutschland ragt Konrad Adenauer heraus. Er ist es, der nach NS-Diktatur, Zweitem Weltkrieg und Holocaust 1949 die erste Bundesregierung bilden kann und die von außen gestiftete Demokratie im Westen verankert. Damit legt er die Fundamente einer Erfolgsgeschichte, die den Westdeutschen auf Jahrzehnte hinaus Wohlstand und Frieden beschert. Aber Adenauer ist es auch, der die deutsche Teilung in Kauf nimmt und Millionen seiner Landsleute ein Beschweigen ihrer Vergangenheit ermöglicht. Norbert Frei schildert Leben und Leistung des ersten Bundeskanzlers aus der Perspektive der Gegenwart. Er beschreibt Adenauers politische Stationen vom Kölner Oberbürgermeister der Weimarer Republik über die Zeit des Dritten Reiches bis zum zupackenden Gründungskanzler. Vor allem aber analysiert er Adenauers Politik nach der deutschen Katastrophe: die unbedingte Westbindung, die der Kanzler gegen zahlreiche Widerstände und Hindernisse durchsetzte, aber auch seine gravierenden Versäumnisse bei der Entwicklung einer demokratischen politischen Kultur. Frei stellt uns einen konservativen Katholiken, einen autokratischen Parteiführer, einen skrupellosen Taktiker, einen weitblickenden Europäer und einen seinem eigenen Volk mit viel Skepsis, ja Misstrauen begegnenden Deutschen vor einen der großen Staatsmänner des 20. Jahrhunderts.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info)
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.01.2026
Norbert Freis Buch über Konrad Adenauer stellt Rezensent Andreas Wirsching zufolge die Nachkriegskarriere des ersten Bundeskanzlers der BRD ins Zentrum. Als einen modernen Politiker beschreibt Wirsching den Adenauer der 1950er, etwa was seine an amerikanischen Vorbildern geschulten Wahlkämpfe betrifft, lesen wir. Einen besonderen Schwerpunkt legt Frei, so Wirsching, auf Fragen der Erinnerungspolitik und Vergangenheitsbewältigung, Adenauer wird als prototypischer innerer Exilant beschrieben, der nach dem Krieg nur punktuell deutsche Schuld anerkannte, die Karrieren zahlreicher NS-Belasteter förderte und die Sozialdemokraten verteufelte, sie teilweise auch bespitzeln lies. Sowohl die Leistungen Adenauers, als auch die Schattenseiten seines Politikstils kommen in diesem insgesamt guten Buch zur Sprache, so Wirsching.
Rezensionsnotiz zu Die Welt, 03.01.2026
Rezensent Marc Reichwein erfährt aus der Adenauer-Monografie des Historikers Norbert Frei nicht nur Wissenswertes über die Bedeutung der Heimholung deutscher Kriegsgefangener durch Adenauers Taktieren. Freis "kompakte wie konzise" Darstellung erscheint Reichwein auch deshalb als die interessanteste in der aktuellen Adenauer-Literatur anlässlich des 150. Geburtstags des Politikers, weil der Autor kein umfängliches Lebensbild zeichnet, sondern ein genaues Psychogramm von Adenauers Jahren als Kanzler, vor allem seiner Außenpolitik. Respekt ist dem Buch eingeschrieben und ein besonderes Interesse an Adenauers Israel-Politik, so Reichwein.
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 23.12.2025
Der Historiker Norbert Frei konzentriert sich in seinem Buch vor allem auf eine Station in der Laufbahn Konrad Adenauers, konstatiert Rezensent Otto Langels, nämlich auf seine Kanzlerschaft in der jungen Bundesrepublik. Durchaus kritisch blickt Frei auf das politische Wirken Adenauers, insbesondere auf die mangelnde Thematisierung deutscher Schuld in der NS-Zeit. Diese Verfehlung sei aus einer zeithistorischen Perspektive verständlich, aber gleichwohl keine moralische Glanzleistung. Auch die autoritären Tendenzen des Politikstils Adenauers kommen laut Langels zur Sprache, ebenso wie seine wenig souveräne Reaktion auf den Bau der Berliner Mauer und die Spiegel-Affäre. Insgesamt ist es Adenauer offensichtlich nicht gelungen, der Politik rechtzeitig den Rücken zu kehren, resümiert der Kritiker. Dass Adenauer für das politische Geschehen seiner Zeit ein überaus wichtiger Akteur war, wird bei Frei aber unmissverständlich klar, schließt der Kritiker.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.12.2025
Rezensent Thomas Schmid bekommt mit der "luziden" Adenauer-Biografie des Historikers Nobert Frei jede Menge Stoff, um über die Anfänge der deutschen Demokratie und ihren jetzigen Stand nachzudenken. Gab es Alternativen zum autoritär agierenden Adenauer und was hätte das für Deutschland nach dem Krieg bedeutet? Den Lebensweg und die Karriere des ersten Kanzlers zeichnet der Autor laut Schmid mit gut dosierten Details anekdotenreich und auf faire Weise nach. So wird Adenauer plastisch, versichert Schmid. Umso erstaunlicher, als das Buch vergleichsweise schlank ausfällt, findet der Rezensent.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.10.2025
Anlässlich des nahenden 150. Geburtstags Konrad Adenauers liest Kritiker und Historiker Florian Keisinger drei neue Bücher über den ersten Kanzler der Bundesrepublik: Der Jenaer Historiker Norbert Frei hat dabei eher einen eleganten Essay vorgelegt, der sich auf Adenauer nach 1945 konzentriert. Er zeigt auf, wie der Kanzler nach 1949 in rapide den Staat wieder auf die Beine stellt, außenpolitisch integriert er Deutschland wieder in die Weltgemeinschaft, innenpolitisch sorgt er für eine stabile Wirtschaft, nicht ohne mit einer "gehörigen Skrupellosigkeit" auch Altnazis zu beschäftigen, wie Keisinger betont. Er empfiehlt das Buch auch als Erinnerung daran, dass einmal für ein vereinigtes Europa gekämpft wurde.
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 16.10.2025
Ist dieser Mann nicht auserzählt?, fragt sich Rezensent Hans von Trotha bei der Lektüre dieser neuen Adenauer-Biographie des Historikers Norbert Frei. Doch die erfrischend ungewohnte Perspektive, die Frei wählt, überzeugt von Trotha vom Gegenteil. Frei legt keine Heldenerzählung vom unanfechtbaren Adenauer vor, sondern die vielseitige Betrachtung einer komplexen Figur, die einen Einblick in unser jetziges Selbstverständnis erlaubt, lobt der Kritiker. Mit "sanfter Ironie" und einer Freude an der Pointe nutzt Frei sein umfassendes Wissen, um sich von bisherigen, allzu einseitigen Positionierungen zu distanzieren. Stattdessen ist sein Adenauer gezeichnet von einer geradezu pessimistischen Panik; mal erscheint er als jemand, der sich für die Sicherheit der Juden und Jüdinnen in seiner Bundesrepublik einsetzt, mal ist er allzu bereit über die nationalsozialistische Vergangenheit zu schweigen. Frei entwickelt diese Ambivalenzen in einem souveränen Rhythmus aus Forschung und Erzählung, der sich für von Trotha zu einem tagesaktuellen Stück Zeitgeschichte zusammenfügt.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 11.10.2025
Rezensent Michael Hesse sieht sich in Norbert Freis neuer Adenauer-Biographie mit einem starrsinnigen und widersprüchlichen Mann konfrontiert. Mit Humor und kühler Empathie führt Frei Hesse durch Adenauers Leben: Von seinen Anfängen als schnelles Reichtum suchenden Tüftler, seinen ersten Schritten im Amt des Kölner Oberbürgermeisters bis hin zu seiner zwölfjährigen, kontroversen "inneren Emigration" während der NS-Zeit und der Wahl zum Bundeskanzler. Frei zeichnet Adenauer dabei stets als "machtbewussten Patriarchen", der oft in schlichten und möglichst direkten Manövern seinen eigenen Einfluss erhöhen wollte und neben seinem persönlichen Ordnungssinn kaum Raum für Alternativen ließ, beobachtet Hesse. Doch Hesse bemerkt auch, dass es genau diese Eigenschaften waren, die Adenauer zu Erfolgen führten und denkt mit Frei etwa an die Rückkehr der Zehntausend und Adenauers Rentenreform von 1957. Hesse geht nicht näher auf die spezifische Formung des Stoffes durch Frei ein und schließt lediglich mit der Bemerkung, dass Freis Buch einen wichtigen Beitrag für den Nachvollzug des heutigen, deutschen Selbstverständnisses liefert.
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