Erfahrungen für die Zukunft
Meine Kanzlerzeit

Econ Verlag, Berlin 2024
ISBN
9783430211161
Gebunden, 336 Seiten, 22,99
EUR
Klappentext
Mit einer Einleitung, knappen Anmerkungen und einem einordnenden Essay von Herausgeber Ulrich Schlie. Über 45 Jahre nach dem Tod von Bundeskanzler Ludwig Erhard werde seine Erinnerungen veröffentlicht: Der Text aus dem Jahr 1976 ist eine schonungslose Abrechnung mit politischen Gegnern und falschen Freunden in der eigenen Partei. Das Skript beeindruckt aber vor allem durch eine unglaubliche Aktualität. Ludwig Erhard bezeichnet die FDP als Bremser, die jeden Koalitionspartner zur Verzweiflung bringt: Er kritisiert die Bundesneuverschuldung, beklagt übertriebenen Lobbyismus, wettert gegen die GroKo und schreibt, dass wir die Hauptlast für die Sicherheit Europas nicht den USA überlassen dürfen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 08.05.2025
Viel für die Gegenwart lernen kann man aus diesem Buch, glaubt Rezensent Thomas Speckmann. Ludwig Erhard blickt darin auf seine Kanzlerschaft zurück, und die Probleme, von denen diese geprägt war, ähneln denen der Jetztzeit, findet Speckmann. Konkret bezieht er sich dabei auf die mangelnde Haushaltsdisziplin der Regierung sowie außenpolitische Fragen, insbesondere die Lastenverteilung im Bereich des Militärischen zwischen den USA und Deutschland. Mit Erhard geht Speckmann auf Details dieses Verhältnisses ein, insbesondere ging es damals um die Planung einer multinationalen atomaren Streitmacht, die nicht zustande kam - auch Frankreich hegte zeitweise Pläne, Deutschland in die eigene nukleare Strategie zu integrieren. Die weitere Entwicklung dieser Projekte führt direkt in die Probleme unserer Gegenwart, glaubt der Rezensent nach dieser anregenden Lektüre.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.12.2024
Rezensent Jasper von Altenbockum freut sich darüber, dass dieser Rückblick Ludwig Erhards auf seine Kanzlerschaft, der tatsächlich allerdings von Hans Klein im Auftrag von Erhards Kanzleramtschef Karl Hohmann geschrieben worden war, jetzt als Buch vorliegt (nachdem er seinerzeit - geschrieben wurde er in den 1970ern - nicht veröffentlicht wurde). Wirklich erklären, weshalb Erhards Kanzlerschaft so kurz war, kann dieser Text zwar nicht, findet Altenbockum, und auch Erhards patentierte Soziale Marktwirtschaft ist für dieses Buch weniger wichtig als seine damals nicht allzu erfolgreichen Ideen zu einer "formierten Gesellschaft", die das Loblied der Institutionen singt. Heute hingegen sind Erhards Gedanken zur Bedeutung des Institutionengefüges und des gesellschaftlichen Zusammenhalts hochaktuell, argumentiert Altenbockum, wie auch überhaupt der Versuch, eine gesellschaftstheoretische Basis konservativer Politik zu formulieren, bemerkenswert ist. Heute, wo Feinde des Liberalismus ausgerechnet mit Verweisen auf Erhard reüssieren, ist das Buch besonders brisant, so der Rezensent, der ähnliche Texte auch gerne von anderen Kanzlern gelesen hätte.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 01.07.2024
Dass sechzig Jahre nach dessen kurzer Kanzlerschaft doch noch Memoiren von Ludwig Erhard erscheinen, ist für Kritiker Florian Keisinger zwar nicht so spektakulär wie es der Verlag ankündigt, aber dennoch aufschlussreich: Erhard hatte mit seinem langjährigen Mitarbeiter und späteren Minister Hans Klein einen Ghostwriter, der wohl aufgrund eigener politischer Interessen recht sanft mit vielen CDU-/CSU-Akteuren umgegangen ist. Geschrieben wurden diese rund 100 Seiten Mitte der 1970er Jahre, und sind für Keisinger vor allem hinsichtlich der Frage interessant, wie der Altkanzler selbst seine Reformbestrebungen und seine Ideen für eine soziale Marktwirtschaft bewertet. Auch Vergleiche zur heutigen Zeit lassen sich in Überlegungen etwa zur NATO lesen, bekundet der interessierte Rezensent.