Claudia Gatzka (Hg.), Sonja Levsen (Hg.)
Neue Wege zu einer Geschichte der Bundesrepublik

Suhrkamp Verlag, Berlin 2025
ISBN 9783518300787
Broschiert, 534 Seiten, 28,00 EUR
ISBN 9783518300787
Broschiert, 534 Seiten, 28,00 EUR
Klappentext
Lange erzählten Historiker der Bundesrepublik Geschichten von wachsendem Wohlstand, Modernisierung, erlernter Liberalität und stabiler Demokratie. Deutschland schien "im Westen" angekommen. Die Herausforderungen der Gegenwart aber verändern unseren Blick auf die jüngere Vergangenheit: Klimawandel, neuer Nationalismus, Ungleichheit und zunehmende Gewalt im politischen Alltag führen vor Augen, was mit diesen Geschichten nicht stimmte - und was sie nicht erzählten. Mit Blick auf zentrale Themen der Zeitgeschichte präsentieren renommierte Historiker:innen in diesem Band neue Perspektiven auf die bundesdeutsche Geschichte seit 1945.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info)
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.03.2026
Nicht allzu glücklich wird Rezensent Jens Hacke mit diesem Versuch, eine neue Gesamtgeschichte der Bundesrepublik Deutschland zu schreiben. Der von Claudia C. Gatzka und Sonja Levsen herausgegebene Band möchte sich von Großerzählungen wie etwa dem Siegeszug des Liberalismus sowie auch von einem linearen Geschichtsverständnis verabschieden. Was die Beiträge einer solchen klassischen Form der Geschichtsbetrachtung entgegen zu setzen haben, überzeugt Hacke nur sehr gelegentlich. Auf der Habenseite stehen interessante Beiträge unter anderem zum Autofetisch der Deutschen oder der Kontinuität körperlicher Züchtigungen. Ansonsten werden eher pflichtschuldig und überraschungsfrei Themen wie "Gender" und "Race" abgehandelt, während etwa Beiträge zum kulturellen Leben in Deutschland komplett fehlen. Der Rezensent stört sich an der formelhaften Sprache vieler Texte und auch daran, dass die normative Basis, die ihnen zugrunde liegt, nicht expliziert und problematisiert wird. Vor allem, setzt seine Kritik fort, fehlt es dieser Stichwortsammlung an einem Versuch, Bilanz zu ziehen. Insgesamt wirkt diese Form der Geschichtsschreibung "seltsam unmöbliert", Hacke glaubt nicht, dass sich die Geschichtswissenschaft mit solchen Publikationen einen Gefallen tut.
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 19.01.2026
In dem von den Historikerinnen Claudia Gatzka und Sonja Levsen herausgegebenen Sammelband zur bundesdeutschen Geschichte nach 1945 liest Rezensent Martin Tschechne immer wieder eines: Dass es wichtig ist, sich der Historizität der Geschichtswissenschaft bewusst zu sein. Wie wir heute Geschichte interpretieren, werde keine ewige Gültigkeit besitzen. Zwanzig verschiedene Beiträge widmen sich Themen wie Besatzungszeit und Nachkriegswirtschaft in vielen Facetten, auch zum Beispiel den Klimawandel oder das Autofahren betreffend. Dem Narrativ der Erfolgsgeschichte stellen die AutorInnen in ihren Beiträgen zahlreiche "Brüche" gegenüber: Dabei geht es genauso um das Ungleichgewicht zwischen Ost und West wie auch um den Umgang mit der Vergangenheit: vermeintliche Aufarbeitung, wo ehemalige Nazis oftmals nach wie vor in Amt und Würden waren, so Tschechne. Er lobt, wie eindrücklich die Beitragenden die Notwendigkeit zeigen, Geschichte fortlaufend zu be- und hinterfragen.
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