Als Frankreich im Sommer 1945 befreit wird, befindet sich der jüdische Schriftsteller und ehemalige Feuilleton-Chef des 'Neuen Wiener Tagblatts' Moriz Scheyer in einem Franziskanerinnenkloster in der Dordogne. Seit dem Herbst 1942 wird er dort mit seiner Frau versteckt. Hinter ihm liegen aufreibende Jahre der Flucht und Gefangenschaft, der ständigen Ungewissheit und der Angst ums Überleben. Endlich in Sicherheit, bringt er nun zu Papier, was ihm seit seiner Emigration aus Wien 1938 widerfahren ist. Eindringlich schildert er Österreich kurz vor dem 'Anschluß', seine Ankunft in Paris und seine Flucht durch das besetzte, zwischen Kollaboration und Widerstand zerrissene Frankreich.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.10.2017
Gerade im Vergleich mit Léon Werths Tagebüchern fällt Joseph Hanimann auf, wie viel schwerer es die jüdischen Emigranten im besetzten Frankreich hatten als die französischen Juden. Der Österreicher Moritz Scheyer berichtet von sehr bitteren Erfahrungen: Er erlebte Paris als reine Hässlichkeit, verwehrte Hilfe und "schwarzen Markt der Niedertracht". Scheyer verfügte als Wiener Journalist über sprachlichen Schliff und feuilletonistische Schärfe, betont Hanimann. Seine ätzenden Bemerkungen über die "teutonische Wulstnacken", die im Stechschritt selbst der Luft über den Pariser Boulevards noch einen Fußtritt verpassen, kann der Rezensent aber nur bis zu einem gewissen Grad goutieren. Wenn Scheyers Bericht ins Selbstmitleidige oder exzessiv Klagende kippt, wird es Hanimann zu viel.
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